Freitag, 11. Dezember 2009

Times they are a-changing... not!

Ich weiß ich weiß, es ist hier sehr ruhig geworden. Shame on me.Immerhin haben ich einen guten Grund vorzuweisen: Ich bin gerade mit dem Anfertigen meiner Magisterarbeit beschäftigt. Im Rahmen dieser Arbeit (Thema: Filmzensur in Deutschland und England) stoße ich jedoch auch immer wieder auf interessante Kleinodien die der Veröffentlichung lohnen. So auch das folgende:

In Deutschland gibt es die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, das sind die obersten Jugenschützer in Deutschland, sie legen fest was in Deutschland schlecht für die Jugend ist und was damit auch für Erwachsene nur schwer zugänglich ist. Eingerichtet wurde die Bundesprüfstelle bereits 1954 durch das Gesetz über jugendgefährdende Schriften (GjS). Die BPjM entstand also in der Ära Adenauer in einem Klima das geprägt war von Antikommunismus und Wirtschaftsswunder. Treffend formulierte 1953 auch der CDU-Innenminister Franz-Josef Würmeling den Hintergrund des GjS: "Mit Bürgern, die sich hemmungslos dem Genuß hingeben, und keine ethische Gedankenwelt mehr kennen, kann keine staatliche Ordnung ihre Aufgaben erfüllen." Die BPjM sollte also damals die Jugend insbesondere davor schützen, aus dem konservativ-christlichen Moralkorsett des Nachkriegsdeutschlands auszubrechen.
Franz-Josef Strauss, der an einem ersten Gesetzentwurf zum GjS beteiligt war, schlug übrigens den Titel "Bundesgesetz gegen Schmutz und Schund" vor. Dieser Titel führt uns bei der Spurensuche in der Geschichte der BPjM (die in der Selbstdarstellung der BPjM übrigens erst mit der Verabschiedung des GjS beginnt) zurück in die Zeit der Weimarer Republik. Dort wurde nämlich bereits 1926 eine "Prüfstelle für Schmutz- und Schundschriften" eingerichtet, die in Aufgaben und Zusammensetzung eine frappierende Ähnlichkeit mit der BPjM aufweist. Eingerichtet wurde sie durch das "Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften" und hier schließt sich auch der Kreis zum Namesvorschlag von FJS und der Gründung der BPjM.

Fazit:
Ich habe mich immer gewundert, warum es in Deutschland (und NUR in Deutschland) soetwas wie die BPjM gibt. Nun, ein Teil der Antwort scheint zu sein: Was 1926 gut und richtig erschien muss es 2009 auch noch sein. Zwar hat sich selbstverständlich die Arbeitsweise der Prüfstelle seit 1926 deutlich gewandelt und ihr Jugendschutzverständnis modernisiert, der Grundgedanke alles was ihrer Einschätzung nach "Schmutz und Schund" ist in einen Giftschrank zu packen und statt zum kritischen Medienverständnis zu erziehen lieber zu zensieren, der ist geblieben. Das all das schon lange durch Angebote wie Youtube oder Online-Versandhäuser aus dem Ausland schon lange ad absurdum geführt wird, spielt da auch schon keine Rolle mehr.