Mittwoch, 17. Juni 2009

Panoptikum - Knaurs Buch der Rollenspiele


Lange wars nicht nur in diesem Blog still, nein insbesondere das Thema Rollenspielerische Kuriositäten lag viel zu lange brach. Das soll sich nun ändern - Vorhang auf für das glorreiche "Buch der Rollenspiele" aus dem Verlage Knaur.

Erschienen ist es 1985 unter der Herausgeberschaft von Jürgen Franke und Werner Fuchs und es nimmt für sich in Anspruch, "ein Führer und Wegweiser in der Welt der Rollenspielsysteme" zu sein. Dabei konzentriert sich die Darstellung auf die damals in deutscher Sprache erhältlichen Systeme, namentlich DSA, D&D, Midgard, Schwerter & Dämonen, Sternengarde und Traveller. An englischsprachigen Systemen werden Call of Cthulhu und Runequest näher beleuchtet. Jedes von ihnen wird recht detailliert auf ca. 10 bis 20 Seiten beschrieben, wobei der Augenmerk auf dem Regelsystem, erhältlichen Produkten und der Spielwelt liegt. Zusätzlich gibt es kürzere Artikel zu Computerrollenspielen (textbasiert damals, wohlgemerkt), SF- und Fantasybrettspielen sowie einen (sehr knappen) Überblick über die damals schon ungleich vielfältigere englischsprachige Rollenspiellandschaft.
Um das ganze Abzurunden, bekommt der geneigte Leser gleich noch ein einfaches Soloabenteuer mit DSA-Regeln obendrauf.
Unter den Autoren, soweit sie mir bekannt sind, finden sich neben den Urgesteinen der deutschen Rollenspielszene Jürgen Franke (Midgard) und Werner Fuchs (DSA, Fanpro) unter anderem auch Rainhold Mai (Battletech-Übersetzer, Fanpro) und Rainer Nagel (mir vor allem wegen seiner stets sehr unterhaltsamen WuWe-Rezensionen bekannt).

Soweit zum objektiven Teil. Ich finde dieses Buch auch heute noch, fast 25 Jahre nach Erscheinen, sehr kurzweilig und lesenswert. Man fühlt sich geradezu in die Anfangszeiten des Hobbys zurückversetzt, als Dinge wie W20 und Abenteuerpunkte noch eine ausführliche Erklärung erforderten. Schön ist auch, dezidiert bei den einzelnen Systemen die Anfänge von Regeln und Welt(en) nachzuvollziehen. Der lockere und doch stimmungsvolle Schreibstil tut sein übriges.
Also, langer Rede kurzer Sinn: Wer sich für Rollenspielhistorie erwärmen kann und die ca. 1,50€ übrig hat, die das Buch momentan bei amazon kostet, sollte sich "Knaurs Buch der Rollenspiele" nicht entgehen lassen.

Kategorie: Nostalgischer Zeitsprung

Persönlicher Nachtrag: Für mich war dieses wunderbare Kleinod übrigens ca. 1994 der Erstkontakt mit dem Bereich Rollenspiele. Nachdem ich es in der seligen schummrig-düsteren Geisweider Stadtbücherei neben einer zerfledderten Ausgabe von Marc Millers Traveller entdeckt, ausgeliehen und zu Hause verschlungen hatte war der Kauf der DSA-Basisbox nur noch eine Frage der Zeit. Mission Accomplished!

Kommentare:

  1. Das Buch ist in der Tat ein Klassiker und gehört wirklich in jede gute Sammlung eines jeden Rollenspiel-Nostalgikers. Ich hüte mein Exemplar wie einen Schatz.

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  2. Ich finde es ja aus heutiger Sicht ein aussichtsloses Unterfangen in einem derartigen enzyklopädisch gehaltenen Stil an das Phänomen Rollenspiel heran zu gehen. Damals war die Welt doch überschaubarer. Gerade die Ausdifferenzierung des Hobbys in die zahlreichen miteinander tw. ja geradezu verfeindeten Spielarten kommt in dem Buch natürlich nicht zur Sprache, aber bei dem Gebrauchtpreis, wer will da als Sammler und Nostalgiker denn schon meckern.
    Hmpf, vielleicht sollte ich auch mal meine Sammlerstücke entstauben und vorstellen. Danke für die Idee ;-)

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  3. Ich hab, nachdem ich durch den Blogeintrag aufmerksam wurde, ein ähnliches Buch bekommen, Ulrich kaisers "Das große Buch der Rollenspiele" von 1984. Einige Passagen könnten aber identisch sein.

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  4. Hach, wie wird einem da warm ums Herz. Auch für mich begann meine Rollenspielkarriere vor ca. 20 Jahren in einer Stadtbücherei mit genau diesem Buch ...

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