Dienstag, 19. Mai 2009

Die Menschenwürde der Gotcha-Zombies ist unantastbar...

Mit der Menschenwürde haben wir in Deutschland ein Grundrecht, dass international eher weniger verbreitet ist. Es ist eine Art übergeordnetes Grundrecht, dass allen anderen Grundrechten Form und Rahmen gibt und mit recht unantastbar ist. Es ist einer der ultimativen Maßstäbe für staatliches Handeln und sollte/muss auch im Verhältnis der Bürger untereinander gelten.
Spannend ist nun die Frage, ob die Menschenwürde auch abstrakt, von einzelnen Personen unabhängig existiert bzw. von rechtlicher Bedeutung ist - nun ja ob das wirklich spannend ist, muss jeder für sich selbst entscheiden, auf jeden Fall ist es mehr als ein theoretisches Glasperlenspiel, wie die folgenden Beispiele zeigen:

"Ein gewerbliches Unterhaltsspiel, das auf die Identifikation der Spielteilnehmer mit der Gewaltausübung gegen Menschen angelegt ist und ihnen die lustvolle Teilnahme an derartigen – wenn auch nur fiktiven – Handlungen ermöglichen soll (hier: der Betrieb eines sog. Laserdromes mit simulierten Tötungshandlungen), ist wegen der ihm inne wohnenden Tendenz zur Bejahung oder zumindest Bagatellisierung der Gewalt und wegen der möglichen Auswirkungen einer solchen Tendenz auf die allgemeinen Wertvorstellungen und das Verhalten in der Gesellschaft mit der verfassungsrechtlichen Garantie der Menschenwürde unvereinbar."
BVerwG 6 C 3.01, Beschluss vom 24.10.2001

Hierbei geht es um die potentielle Gefahr, die von den ja auch momentan wieder zum Abschuss (pun intended) freigegebenen Gotcha- und Paintballspiele. Leider weiß ich nicht, was aus dem Verfahren geworden ist, da es zur endgültigen Klärung an den EuGH weitergegeben wurde und ich dessen Urteil dazu nicht gefunden habe, wichtiger ist jedoch was das BVerwG ausführt.
Wegen der möglichen (!) Auswirkungen einer Tendenz (!) zur Bejahung von Gewalt auf die Wertvorstellungen der Gesellschaft ist diese Freizeitbeschäftigung mit der Menschenwürde unvereinbar. Ganz schön viele Konjunktive und Vermutungen für ein Heranziehen des 800lbs.-Gorillas der Grundrechte.

aber schauen wir erstmal weiter:
"Wer Schriften (§ 11 Abs. 3), die grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen in einer Art schildern, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten ausdrückt oder die das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs in einer die Menschenwürde verletzenden Weise darstellt,
1. verbreitet,
2. öffentlich ausstellt, anschlägt, vorführt oder sonst zugänglich macht,
3. einer Person unter achtzehn Jahren anbietet, überläßt oder zugänglich macht oder
4. herstellt, bezieht, liefert, vorrätig hält, anbietet, ankündigt, anpreist, einzuführen oder auszuführen unternimmt, um sie oder aus ihnen gewonnene Stücke im Sinne der Nummern 1 bis 3 zu verwenden oder einem anderen eine solche Verwendung zu ermöglichen,

wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft."
§131 Abs. 1 StGB

Quasi in Analogie zum obigen Beispiel geht es hier wieder um eine Verletzung der Menschenwürde durch die Darstellung oder Verharmlosung von Gewalt gegen Menschen und menschenartige Wesen (Zombies, Aliens usw.).

Kommen wir nun also zur ursprünglichen Frage einer abstrakten Menschenwürde zurück. Denn wessen Menschenwürde wird den nun eigentlich verletzt? Die der Zombieschauspieler die sich freiwillig als Komparsen zur Verfügung stellen oder gar die der Paintball-Spieler die sich in gegenseitigem Einvernehmen mit bunten Farbkügelchen beschießen? Weder noch, anscheinend geht es um eine grundsätzliche Herabstufung der Bedeutung der Menschenwürde, also ein Werteverfall.
Meines Erachtens ist die Menschenwürde jedoch ein zu hohes Gut, um die in dieser Weise den guten Sitten (§138 BGB), denn um diese geht es hier eigentlich, vorzuschieben.
Was ist ein Grundrecht wert, dass gleichzeitig Folter und Paintball, Konzentrationslager und Horrorfilme verdammt?

Die Erosion der Werte einer Gesellschaft beginnt mit ihrer Überdehnung bis zur Unkenntlichkeit und nicht mit "sittenwidrigen" Filmen oder Freizeitvergnügen.