Dienstag, 3. Februar 2009

Berliner Kettensägenmassaker

kürzlich bin ich auf einen der neueren Beschlagnahmebeschlüsse zu Dawn of the dead gestoßen:

"Beschluss zur Beschlagnahmung durch das AG Tiergarten vom 01.03.2000:

Videofarbfilm
Vertrieb: Astro, Kassel
Ausgabe: 1998
Regie: George A. Romero
Darsteller: David Emge, Ben Foree, Scott H. Reiniger, Gaylen Ross u.a.

Der Film ist inhaltsgleich mit dem aufgrund des AG Bochum 32 Ds 39 Js 275/91 bundesweit beschlagnahmten Film "Zombie" sowie mit dem aufgrund des AG Tiergarten vom 22. Januar 1999 bundesweit beschlagnahmten gleichnahmigen Film – 351 Gs 242/99.

Es wird auf die Beschlüsse des AG Bochum und des AG Tiergarten Bezug genommen. Der Film erhält durch folgende Szenen gewaltverherrlichenden Charakter:

9.min. Zu Anfang des Filmes werden durch angreifende militärische Einheiten Bewohner eines Hauses wahllos erschossen und getötet. Durch Zombies, welche sich im Keller befinden, werden die einzelnen Körperteile gegessen. Dabei ist sehen, wie die Zombies aus Körperteilen das Fleisch herausreißen und genüsslich verzehren.
24.- 74.min. Die nachfolgenden Szenen spielen sich in einem Supermarkt- Komplex ab. Hierbei sind immer wieder viele Zombies zu sehen, die teilweise Menschen angreifen und Fleischstücke aus dem Körper beißen. Im Gegenzug werden auch die Zombies durch die Menschen mesit durch Schüsse hingerichtet. Bei dem Töten ist zusehen, wie die Zombies and en einzelnen Körperteilen getroffen werden. Das jeweils spritzende Blut ist ebenfalls in Nahaufnahme zu sehen. Zum Schluss der Handlung wird eine menschliche Person von einem Zombie mehrfach verletzt. Diese wird dann selbst zum Zombie. Dieser jetzt entstandene Zombie wird zum Schluss getötet.
Der Film enthält keine durchgehende Handlung. Vielmehr steht im Vordergrund das wahllose gegenseitige Töten mit der Zielsetzung, diese Handlungen in Nahaufnahme zu zeigen. Der Film erhält durch die vorgenannten Szenen gewaltverherrlichenden Charakter, so dass seine Verbreitung gemäß § 131 StGB zu verbieten sein wird."

Mal abgesehen davon, dass es eine Frechheit ist, in einem Rechtsstaat einen derartigen Eingriff mit ein par Zeilen abzutun, drängt sich mir mal wieder (zum gefühlten 10.000sten mal) die Frage auf, warum ein leicht angestaubter Film von 1978 soviel strenger begutachtet wird, als etliche moderne Filme, die auch nicht gerade blut- dafür aber umso handlungsärmer sind.

Ob es wohl daran liegt, dass Dawn of the Dead immer noch als der Vorzeige-Pfui-B-Movie der Zensurwut der späten 70er und 80er Jahre gesehen wird? Oder liegt es daran, dass hinter Torture-Porn-Streifen wie Saw und Hostel große Studios und Verleihfirmen stecken, die der FSK den nötigen Druck machen (zur Erinnerung, ein Film der von der FSK geprüft wurde, wird idR nicht mehr indiziert geschweige denn beschlagnahmt)?

Nicht, dass man mich jetzt falsch versteht, wer aufs Foltern steht, der soll seinen Spaß mit besagten Filmen haben, nur warum darf ich mich dann nicht an meinen Zombiehorden erfreuen?

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