Freitag, 11. Dezember 2009

Times they are a-changing... not!

Ich weiß ich weiß, es ist hier sehr ruhig geworden. Shame on me.Immerhin haben ich einen guten Grund vorzuweisen: Ich bin gerade mit dem Anfertigen meiner Magisterarbeit beschäftigt. Im Rahmen dieser Arbeit (Thema: Filmzensur in Deutschland und England) stoße ich jedoch auch immer wieder auf interessante Kleinodien die der Veröffentlichung lohnen. So auch das folgende:

In Deutschland gibt es die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, das sind die obersten Jugenschützer in Deutschland, sie legen fest was in Deutschland schlecht für die Jugend ist und was damit auch für Erwachsene nur schwer zugänglich ist. Eingerichtet wurde die Bundesprüfstelle bereits 1954 durch das Gesetz über jugendgefährdende Schriften (GjS). Die BPjM entstand also in der Ära Adenauer in einem Klima das geprägt war von Antikommunismus und Wirtschaftsswunder. Treffend formulierte 1953 auch der CDU-Innenminister Franz-Josef Würmeling den Hintergrund des GjS: "Mit Bürgern, die sich hemmungslos dem Genuß hingeben, und keine ethische Gedankenwelt mehr kennen, kann keine staatliche Ordnung ihre Aufgaben erfüllen." Die BPjM sollte also damals die Jugend insbesondere davor schützen, aus dem konservativ-christlichen Moralkorsett des Nachkriegsdeutschlands auszubrechen.
Franz-Josef Strauss, der an einem ersten Gesetzentwurf zum GjS beteiligt war, schlug übrigens den Titel "Bundesgesetz gegen Schmutz und Schund" vor. Dieser Titel führt uns bei der Spurensuche in der Geschichte der BPjM (die in der Selbstdarstellung der BPjM übrigens erst mit der Verabschiedung des GjS beginnt) zurück in die Zeit der Weimarer Republik. Dort wurde nämlich bereits 1926 eine "Prüfstelle für Schmutz- und Schundschriften" eingerichtet, die in Aufgaben und Zusammensetzung eine frappierende Ähnlichkeit mit der BPjM aufweist. Eingerichtet wurde sie durch das "Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften" und hier schließt sich auch der Kreis zum Namesvorschlag von FJS und der Gründung der BPjM.

Fazit:
Ich habe mich immer gewundert, warum es in Deutschland (und NUR in Deutschland) soetwas wie die BPjM gibt. Nun, ein Teil der Antwort scheint zu sein: Was 1926 gut und richtig erschien muss es 2009 auch noch sein. Zwar hat sich selbstverständlich die Arbeitsweise der Prüfstelle seit 1926 deutlich gewandelt und ihr Jugendschutzverständnis modernisiert, der Grundgedanke alles was ihrer Einschätzung nach "Schmutz und Schund" ist in einen Giftschrank zu packen und statt zum kritischen Medienverständnis zu erziehen lieber zu zensieren, der ist geblieben. Das all das schon lange durch Angebote wie Youtube oder Online-Versandhäuser aus dem Ausland schon lange ad absurdum geführt wird, spielt da auch schon keine Rolle mehr.

Mittwoch, 26. August 2009

Brainfried

Politikern wird ja immer vorgeworfen von Themen die Jungwähler angehen (Internet, Computerspiele...) keine Ahnung zu habe, oder schlimmer noch bewusst Unwahrheiten dazu zu verbreiten. Doch ist das wirklich so?
Nehmen wir doch mal eine Aussage von Bayerns Innenminister Herrmann (CSU) zu dem Thema:

"Wir haben ein klares Verbot gewaltverherrlichender Darstellung, der (Sic!) muss nur angewandt werden. Und im Moment wird das unterlaufen, weil erklärt wird, in dem Moment wo ein Spiel freigegeben ist von der Freiwilligen Selbstkontrolle, liegt keine Schuld des Produzenten mehr vor." Quelle (gegen Ende)

hierzu gibt es ein par Dinge anzumerken:
1. In Deutschland sind durch §131 StGB mittlerweile nicht nur gewaltverherrlichende Spiele und Filme verboten, sondern allgemein die Darstellung von Gewalt, sofern sie in einer bestimmten Form erfolgt.
2. Ich unterstelle Herrn Herrmann jetzt mal, dass er mit Freiwilliger Selbstkontrolle die USK und nicht die FSK meint, da ein Minister sicher über die Zuständigkeiten privater Einrichtungen, die mit hoheitlichen Aufgaben betraut sind, informiert ist.
3. Eine USK Entscheidung, einem Spiel eine Freigabe zu erteilen schützt aber tatsächlich vor weiteren Maßnahmen. Wie kommt das? Nun, dass ist ganz einfach: In der Novellierung des Jugendschutzgesetzes von 2008 (große Koalition, mit CDU/CSU) wurde extra geregelt, dass Spiele oder Filme welche eine FSK/USK Freigabe erhalten nicht mehr indiziert werden können. Da eine Indizierung aber ein schwächerer Eingriff ist als ein Verfahren nach §131 StGB liegt nahe, dass auch dieser idR nicht einschlägig seien kann.
4. Die FSK zumindest, und die USK aller Voraussicht nach auch, nehmen jedoch ihre Prüfpflichten sehr ernst. So werden die mit Abstand meisten Filme und Spiele von eben jenen Stellen zur Indizierung vorgelegt, nicht etwa von Jugendämtern o.ä. (es ist mir leider Verboten die Quelle hierzu öffentlich zugänglich zu machen). Gleiches ist für die Vorlage wegen §131 zu vermuten. Anders gesagt, ein Spiel erhält wirklich nur dann eine Freigabe, wenn keinerlei Jugendschutz oder strafrechtliche Bedenken bestehen.
5. Tja und was die Schuldfrage angeht: Wenn eine Behörde mir die Erlaubnis erteilt, etwas bestimmtes zu tun, muss ich dann stets davon ausgehen, dass ihre Erlaubnis rechtswidrig ist? Wohl kaum, und damit schützt die Vertreiber von USK-Freigegebenen Spielen der Verbotsirrtum. Immer dieser lästige Rechtsstaat... (ach, a propos Rechtsstaat)

Fazit: Zwei Sätze und so ziemlich alles ist falsch oder verkürzt, eine reife Leistung. Um zum Eingangsstatement zurückzukehren: Ob es sich hierbei nun um Ahnungslosigkeit oder Absicht oder eine Mischung aus beidem handelt, ist schwer zu sagen. Fest steht jedoch, dass man im Hinblick auf Zensur von "Killerspielen" so ziemlich alles erzählen kann - ist doch die tatsächliche Lage kaum zu überblicken.

In diesem Sinne

Dienstag, 28. Juli 2009

Ein Satz mit X

Sachen gibts, die gibts gar nicht:

1. Pegasus veröffentlicht für Cthulhu den auf 950 Stück limitierten Traumlande-Band (gebundener Preis 50€).
2. Innerhalb von ca. einer Woche ist der Band beim Verlag ausverkauft.
3. Nach und nach ist er auch bei gängigen Online-Rollenspielhändlern nicht mehr verfügbar, darunter auch Händler X, um den es hier gehen soll.
4. Auch bei Amazon ist der Band nicht mehr direkt verfügbar, es gibt es jedoch ein Marketplace-Angebot - für schlappe 100€. Und, oh Wunder, das Angebot ist von Händler X, bei dem das Buch im eigenen Shop ausverkauft ist.

Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen sprachlos. Gerade die Rollenspielszene zeichnet sich ja dadurch aus, dass die LGSs (zumindest verbal) stark unterstützt werden um sie am Leben zu erhalten - eine Position der ich mich zumindest grundsätzlich sofort anschließen würde, und dann gibt es so eine Aktion (Händler X verfügt auch über ein Ladenlokal). Der Rollenspieler als treudoofer Alleskäufer aus dem man mal eben noch 50€ mehr herauspressen kann, Buchpreisbindung hin oder her. Ich bin gerade irgendwie in einem Zustand gepflegter Nerd Rage.

Ich hoffe jedenfalls, dass dieses Beispiel nicht Schule macht...


zwei wichtige Hinweise zum Schluss:
1. Ich nenne hier bewusst keine Namen bzw. poste Links, da ich dem besagten Laden nicht schaden möchte (und, um ehrlich zu sein, auch wegen diversen rechtlichen Traras).
2. Es ist natürlich möglich, wenn auch unwahrscheinlich, dass es zwischen Händler X und dem Anbieter des Buches auf amazon außer einer zufälligen Namensähnlichkeit keinerlei Verbindungen gibt. In diesem Fall wäre alles oben gesagte natürlich hinfällig.

Montag, 27. Juli 2009

Interview mit den Fundus Ludi-Machern

Heute geben sich die Damen und Herren des Rollenspielportals Fundus Ludi die Ehre und wir sprechen über Ziele, Hintergründe und Perspektiven des Projekts.

Hallo, stellt euch doch erstmal vor…

Ibag: Tach, ich bin die Ibag, heiße im wahren Leben Heidi Lawo-Heyduga. Ich bin 29 Jahre alt, seit 7 Jahren verheiratet mit dem Gizmo und Mutter eines 3 1/2 jährigen Sohnes. Gelernt habe ich den schönen Beruf der Justizfachanstellten beim Amtsgericht in Dortmund und habe dann auch in der Staatsanwaltschaft gearbeitet. Nach der Geburt unseres Sohnes hat sich jobtechnisch bisher nichts festgesetzt, sodass ich nun arbeitssuchend bin.
Ich spiele nun seit knapp 10 Jahren RPG. Da war schon so einiges dabei, angefangen beim Klassiker DSA über Shadowrun, diverse WoD-Sachen, auch Vampire Live, Cthulhu und und und. Hin zu aktuellen Systemen, wie Schattenjäger, Savage Worlds etc.
Mein absoluter Favorit ist seit knapp 3 Jahren Arcane Codex, welches meine Lust an Fantasy-Settings und -Büchern, nach der DSA 4 Flaute, wieder entfacht hat. Und da ich Arcane Codex eben mag und mich gerne für das einsetze was ich mag, siehe Fundus Ludi, bin ich im Nackter Stahl Verlag mittlerweile seit 1 1/2 Jahren aktiv und das als Admin des Forums, Koordination des Supports, Lektorat und allem was so anfällt. Nun habe ich mich sogar durch gerungen ein Quellenbuch zu verfassen und die Spielerschaft von AC mit meinen Ideen für das schöne Land Khem auf Kreijor zu quälen.

Masterbrain: So, ich bin der Masterbrain und höre abseits des Netzes auch auf Felix Münter. 23 Jahre habe ich nun auf dem Buckel und gehe damit wohl als das jüngste Mitglied des Teams in die Statistik ein. Noch bin ich „nur“ Student für angewandte Sozialwissenschaften, aber das Studium geht diesen Sommer wohl seinem Ende entgegen.
Rollenspiel ist seit mehr als zehn Jahren – ich schätze mal vorsichtig auf 11 oder 12 Jahre – Bestandteil meiner Freizeit, mal mehr und mal weniger. In dieser Zeit hat sich eine ganze Menge an Spielerfahrung angesammelt, so viel, dass ich eigentlich keine umfassende Auflistung geben kann, ohne Gefahr zu laufen, irgendwas zu vergessen.
Angefangen hat es seinerzeit irgendwie typisch mit Fantasy und DSA – und entwickelte sich über die Jahre so, dass man mich mit dem Genre nicht mehr hinter dem Ofen hervor bekommen kann. Evergreens gibt es in diesem Sinne jedoch auch, wenn ich mich auf drei Stück festlegen müsste, dann wären dass wohl Call of Cthulhu, Deadlands: Classic und Traveller.
Ansonsten bin ich als Supporter und Übersetzer beim 13Mann-Verlag in Düsseldorf tätig.

Gizmo: Also, ich bin Programm und schimpfe mich Gizmo, meine Freunde nennen mich im wahren Markus und ich trage den französischen Nachnamen Lawo. Ich bin dieses Jahr 32 Jahre alt geworden und auch seit 7 Jahren verheiratet. Wie der Zufall es will habe ich auch einen 3 1/2 jährigen Sohn, meine Frau heißt Heidi. Ich spiele nun seit 17 Jahren RPG. Mehr Zufälle .... bei mir war auch schon einiges dabei. Den Anfang nahm meine Hobby mit DSA, was dann auch Heidi, durch mich, zum Rollenspiel brachte, auf einem CT des Orkenspalter.de bekam ich dann erste Berührungen mit anderen Systemen wie Shadowrun, der WoD, und später dann auch in eine Vampire Live Domäne (wo ich 3 Jahre SL war). Es folgen weiter Systeme, auch durch den Umstand, dass wir viel mit Masterbrain (Felix) ausprobiert haben z.B. Cthulhu, Deadlands, Heredium und und und. Zurzeit spiele ich in sieben Runden: Dungeons & Dragons 4.0, zwei Gruppen Arcane Codex, Cthulhu, Schattenjäger und zwei Savage Worlds Runden mit den Szenarien Shaintar und Rippers.

Cutter: Ich bin die Cutter und im normalen Leben heiße ich Katharina Prost. Ich bin 24 Jahre alt und bin Studentin an der Ruhr-Universität Bochum. Ansonsten verdinge ich mich neben meinem Studium gerade als Supporterin, Übersetzerin und Korrektorin beim 13Mann-Verlag in Düsseldorf und schreibe hin und wieder etwas für Ratten! für den Prometheus Verlag.
Rollenspiele spiele ich seit mittlerweile fast 10 Jahren. Ich habe im Gegensatz zu den meisten DSA noch nie bespielt sondern bin erst über viele Nischen-RPGs an die richtig Großen geraten. Allerdings konnte mich kein RPG auf Dauer halten und so kann ich zu mindestens für meine Lieblings-RPGs nur meine derzeitigen Favoriten festlegen. Als da sind: Traveller, Deadlands: Classic, Cthulhu und recht neu dabei Heredium.


Ich stelle Euch direkt am Anfang mal die Gretchenfrage: Was ist Fundus Ludi?

Cutter: Also wenn wir es mal ganz nüchtern betrachten ist Fundus Ludi ein Rollenspielarchiv mit angeschlossenem Forum.
In unserer Datenbank archivieren wir alle Rollenspieldokumente, die wir im Netz finden und wo uns erlaubt wird, sie bei uns reinzustellen. Unser Ziel ist es so viel Material wie möglich bei uns im Fundus Ludi zu vereinen und den Rollenspielern da draußen die Suche schlichtweg zu vereinfachen.
Doch bei uns kann auch gebastelt werden: Das Herzstück unserem Forums bildet wohl der Baustellenbereich, in dem fleißig an Settings, Abenteuern, Regelsystemen und noch viel mehr, gewerkelt wird und wo man mit sehr großer Wahrscheinlichkeit jemanden finden wird, mit dem man sich konstruktiv über die eigenen Ideen austauschen und neue Ideen bekommen kann, wenn man den Blick in das ein oder andere Projekt eines anderen Users wirft. Soviel zur nüchternen Variante.

Aber das erklärt leider nur zum Teil was Fundus Ludi genau ist. Denn Fundus Ludi besteht nicht nur aus Dokumenten sondern auch aus den Usern. Eine lebendige und nette Community, von Leuten, die sich gerne austauschen und einander mit den eigenen Hobbywerken helfen.
Ein Team, was auch gerne mal ein wenig mehr Freizeit für sein Projekt opfert um interessante Wettbewerbe aus den Boden zu stampfen oder andere Aktionen rund ums Fundus Ludi und versuchen als Bindeglied zwischen den Verlagen und der Community die Rollenspielgemeinschaft zu fördern und last but not least die Verlage, die uns unterstützen und uns viele Wettbewerbe erst ermöglichen


Wie seid ihr auf die Idee zu Fundus Ludi gekommen? Und wie ging es dann mit konkreten Planungen zur Umsetzung weiter?

Ibag: Die Idee einer eigenen Seite lag schon lange in den Köpfen von Masterbrain, Gizmo und mir. Wir waren damals gemeinsam aktiv als SL in einer Vampire Live Domäne und teilen auch sonst viele Interessen. Aber ein einfaches Forum sollte es eben nicht sein und alles andere erschien uns auf den ersten Blick wirklich sehr viel Arbeit.
So ließen wir die Idee erstmal eine ganze Weile unangetastet liegen, bis Masterbrain eines schönen Tages anklopfte und mir seine Ideen vorlegte. Naja, die Idee gab es ewig und das was er da vorstellte war eben genau das, was in unseren Köpfen so lange auf die Umsetzung wartete.
Damals haben Masterbrain, Deathwing, damals auch noch Phoenix, und ich uns daran gesetzt, das Konzept und die Idee zu verfeinern. Dabei kam viel zu Stande, wurde wieder verworfen oder auf später verschoben, und und und. Das ging alles ziemlich schnell, wir fanden die Software mit der wir es versuchen wollten und packten es an. Das sollte es also sein, eine Datenbank in der man viel Fanmaterial und auch offizielles eben an genau einem Platz findet, nicht lange suchen muss und sich sogar noch austauschen kann über Ideen um diese dann später auch an die User weiter zu geben.
Innerhalb weniger Tage stampften wir also Forum und Datenbank aus dem Boden und machten vorab schon mal fleißig Werbung in diversen Foren. Nicht überall wurde die Idee gut aufgenommen und es gab einige, sehr laute, Kritiker die meinten, dass es das alles schon gäbe und eh niemand sowas bräuchte. Nun, die Praxis straft die Theorie in diesem Fall lügen. Das Projekt wurde vom ersten Tag gut angenommen und den Leuten macht es Spaß sich hier auszutauschen, sich in der Datenbank zu bedienen und auch ihr eigenes Material zu erarbeiten.
Noch ist die aktive Community im Vergleich mit den anderen großen Foren natürlich relativ klein. Das macht es im Moment gemütlich und überschaubar, führt aber auch zu einem angenehmen Umgang miteinander. Die Zahl der Userschaft, die uns aber aufgrund von Downloads immer mal wieder besuchen ist allerdings groß und zeigt uns, dass es ein Projekt wie Fundus Ludi so im deutschsprachigen Raum bis dato nicht gibt und es auch gebraucht wird. Die über 2000 Downloads in über 100 Kategorien sprechen Bände und auch die Zahlen der Betrachtungen und Downloads sind beachtlich.

In den letzten 1 1/2 Jahren, knapp 2 sogar schon, die wir mit Fundus Ludi aktiv sind, haben wir viel Unterstützung erfahren, insbesondere durch Verlage die uns mit Preisen versorgen, Sponsoren und Partnerseiten, die uns mit Werbung unterstützen. Es macht Spaß all diese Leute kennen zu lernen, sich auszutauschen und sich gegenseitig zu helfen.

Aber ich schweife ab. So war das damals, was daraus geworden ist kann man selber sehen. Ich gebe den Staffelstab mal weiter an Gizmo.

Mittlerweile hat die Datenbank ja über 2000 Einträge, woher stammt all das Material und wie sammelt ihr es? Wie trefft ihr die Auswahl, was online gestellt wird?

Gizmo: Das Material setzt sich zusammen aus Anfragen an die verschiedensten Seiten und Material, das uns von Usern oder anderen Privatpersonen zu Verfügung gestellt wird. Also ist im Grunde nichts in der Datenbank, das nicht die Berechtigung hat da zu sein. Es läuft in der Regel so ab, das wir eine Seite finden, sie uns empfohlen wird oder ein User lädt sein Material hoch. Grund für dieses Sammeln und Bündeln von Material liegt dem Projekt zu Grunde, weil wir es uns ja zur Aufgabe gemacht haben, ich zitiere mal:

Fundus Ludi bündelt möglichst viele Ressourcen des Hobbys an einem Ort und versucht damit dem Suchenden (sprich: dem Rollenspieler) Arbeit abzunehmen. Weiterhin versucht Fundus Ludi einen möglichst kreativen Nährboden für alle Rollenspieler zu schaffen, die ihre eigenen Ideen umsetzen wollen. Hierzu zählt Feedback, konstruktive Kritik, Lektorat und Layout. Als letztes bietet Fundus Ludi jedem Mitglied die Möglichkeit, sein eigenes, individuelles Projekt der Öffentlichkeit zu präsentieren und stellt die hierfür notwendigen Ressourcen und Infrastruktur zur Verfügung.

In erster Linie ist da kein Auswahlverfahren hinter, es geht uns um das Hobby und da zählt jede Idee aus der sich ein Szenario, ein Plot oder ein Abenteuer bauen lässt. Hinzu kommen unzählige Spielhilfen, Charakterbögen usw. Die einzige Auswahl die wir machen, bzw. Sache die wir beachten müssen, ist die Nachfrage, das OK und ob es sich dann um einen Direkt-Upload von unserer Seite handelt oder einem Redirect von der Seite von der das Material kommt.

Wie macht ihr das bei alten Rollenspielen die schon lange keinen Verlag mehr haben?

Es kommt immer mal vor, dass man auf Internet-Leichen trifft, also Seiten von Systemen, die nicht mehr laufen, nicht mehr aufgelegt werden, in den Tiefen der Regale verschwunden scheinen, oder aber in den Kellern von Verlagen verschwunden sind.

Auch diese werden von uns gerne in die Datenbank aufgenommen, hier benötigt es allerdings auch die Mithilfe der User oder Personen die diese Schätzchen gerne wieder in die Öffentlichkeit zerren wollen. Wir nehmen uns diesen gerne an, weil ja auch Systeme die nicht so Präsent sind hier im Fundus zu finden sind.

Aber zurück zu der eigentlichen Frage, auch diese werden wenn man uns die Quellen nennt oder wir auf diese stoßen nach einer Kontakt-Adresse durchsucht und die Macher der Seite oder die Verlage selbst angeschrieben, um da mal anzufragen, wie es mit einer Veröffentlichung in unserer Datenbank aussieht. Wenn wir dann ein Okay erhalten, nehmen diese dann auch Einzug in die Datenbank.

Wie sind die Reaktionen von den Verlagen und den Spielern?

Masterbrain: Ich sage es mal so: Besser als wir es in den kühnsten Träumen erwartet haben.

Als wir vor knapp zwei Jahren angefangen sind, waren wir übervorsichtig und unerfahren. Wir haben uns hier und da vorgetastet, wussten eigentlich nicht so recht was uns erwarten würde. Recht schnell zeigte sich dabei für uns, wie klein die Welt der Rollenspielverlage doch ist und das irgendwie jeder jeden zu kennen scheint. Noch dazu macht es alles einen wirklich herzlichen und familiären Eindruck.
Insofern war es ein leichtes für uns, die anfängliche Scheu abzulegen und den Kontakt mit den Verlagen auszubauen – und abgesehen von einigen, kleineren Ausreißern, können wir uns wirklich nicht beklagen! Die Verlage scheinen angetan von der Idee und sind bereit, uns zu unterstützen, was uns natürlich sehr freut und sagt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Was die Spieler angeht: Nun, ein Projekt im Netz braucht immer seine Zeit, bis es sich etabliert hat. Anfänglich bekommt man viele skeptische Blicke und Unkenrufe ab, die meisten Leute haben eben Vorbehalte – ob berechtigt oder unberechtigt sei einfach mal dahingestellt. Wir haben uns davon nicht entmutigen lassen und alles daran gesetzt, zu beweisen, dass wir bereit sind das Projekt mit dem notwendigen Elan zu betreiben – und es hat sich gelohnt.
Ich würde einfach mal behaupten, dass die kritische Phase – sofern man davon überhaupt sprechen kann – nach dem ersten Jahr überstanden war, in dem wir bewiesen haben, dass Fundus Ludi keine Eintagsfliege ist und stetig wächst.
Spätestens seit diesem Zeitpunkt sind alle Rückmeldungen, die wir bekommen eigentlich positiv.

Wie stellt ihr euch die Zukunft von Fundus Ludi vor?

Ibag: Die Zukunft? Hm, das ist immer schwierig. Wir haben viele Ziele für das Projekt, einige sind bestimmt utopisch und wieder andere stehen kurz vor der Umsetzung. Alles langsam und Schritt für Schritt, wie bisher auch. Irgendwann wird es dann auch was mit den Ideen die wir aktuell noch für utopisch halten... das dachte ich bei meiner Schnapsidee mit den Neuerscheinungswochen auch und die Verlage mögen es wirklich sehr.
Also was wir definitiv wollen, ist die Datenbankinhalte vermehren und dafür sorgen, dass mehr User eigenes Zeug einstellen, sich trauen und sich gegenseitig unterstützen. Also, das ist natürlich alles schon da, sollte aber noch mehr werden.

Masterbrain: So viel ist da gar nicht im Detail planbar, habe ich mittlerweile den Eindruck. Natürlich wollen wir größer werden und eine Instanz für die Szene - aber wie genau das passiert, das ist eben wenig planbar und kommt eben durch die Synergiewirkung der Ideen des Teams einerseits und dem Feedback der User andererseits zustande.

Gizmo: Um es mit den Worten von Bill & Ted (Bill & Ted's verrückte Reise durch die Zeit) zu sagen: Uns ist das Dasein und Granaten stark und Volle Kanne Hoschi. Wir werden uns Mühe geben, dass es bleibt wie es ist und, dass wir wachsen, wachsen ....hi, hi... wachsen ....mmmuuhaarrr...wachsen...

Cutter: Ich hätte ehrlich nicht gedacht, dass wir in so kurzer Zeit so weit kommen. Es war einfach fantastisch. Das ist zwar nicht ganz planbar, aber weiter wachsen und vielleicht in Zukunft die eine oder andere Neuerung mit einführen, steht auf alle Fälle auf unserer Liste und natürlich weiter machen wie bisher, noch mehr User dazu bringen mit an Ideen, Abenteuern und alles Mögliche zu arbeiten und ihre Ideen bei uns in die Datenbank zu stellen.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für die Zukunft!

Samstag, 11. Juli 2009

Gegen Zensur?

Kürzlich ist eine ePetition gegen das Verbot von gewalthaltigen Computerspielen online gegangen.
Nach dem großen Erfolg der Petition gegen Internetzensur mit über 130.000 Mitzeichnern war ich spontan natürlich mehr als geneigt auch diesem bestreben gegen staatliche Zensur meine Unterstützung zukommen zu lassen.
Nachdem ich jedoch den Petitionstext gelesen habe, bin ich von diesem Vorhaben wieder abgerückt. Statt mitzuzeichnen betrachte ich die Petition nun als mahnendes Beispiel dafür, wie tief Zensur schon in unserem politischen Denken verankert ist. Warum das?

Nun, ich würde sagen, dass ich dem Petitionstext zu 95% zustimme, ein kleines Detail jedoch kann und werde ich nicht durch meine Unterschrift unterstützen:

""Gewaltverherrlichende" Medien hingegen sind aus gutem Grund verboten."

Tja, aus gutem Grund also? welchem denn? Sorgen §131er-Spiele etwa für ein erhöhtes Amoklaufpotential? Wo genau ist denn dann eigentlich noch ein Unterschied zu den Forderungen der Innenministerkonferenz, von der Wortwahl mal abgesehen? Hierbei verweise ich nochmals auf meinen Artikel zur Würde der Gotcha-Zombies.
Wobei hierbei zusätzlich sehr entlarvend ist, dass der Initiator der Petition sich (zurecht!) gegen den diskriminierenden Begriff der "Killerspiele" wendet, gleichzeitig aber den so schwammigen wie diskriminierenden Begriff der "Gewaltverherrlichung" unreflektiert verwendet.

Alles was über die Einstufung von Medien für bestimmte Altersstufen und den Schutz von Persönlichkeitsrechten hinausgeht ist für mich nicht zu rechtfertigende Zensur. Anderen Demokratien wäre eine Straftat wie ein §131 StGB völlig wesensfremd und trotzdem kommt es in unseren Nachbarländern auch nicht wöchentlich zu Amokläufen.

Schade, im Grunde ist das Anliegen der Petition als Zombiefilmfan auch mein ureigenstens, allerdings kann ich aus den genannten Gründen die Petition nicht mitzeichnen. Schade schade schade...

Donnerstag, 2. Juli 2009

Origins Awards 2009

Am vergangenen Wochenende wurden die diesjährigen Origins Awards vergeben. Näheres zu den Nominierten und Gewinnern siehe hier.

Mich persönlich freut natürlich besonders, dass Battletech die neuen Warhammer 40k Regeln ausgestochen hat ;)

Sonntag, 21. Juni 2009

Quis custodiet ipsos custodies?

Das sich nach der Verabschiedung des Internetzensur-Gesetzes die üblichen Schreihälse und böswillig Ahnungslosen zu Wort melden, ist natürlich keine Überraschung. Von Kinderpornographie ist es ja nur noch ein klitzekleiner Schritt hin zu gewalthaltigen Computerspielen - Zensur ist also in beiden Fällen mehr als geboten!

Und damit nicht irgendwelche CDU-Hinterbänkler die Katastrophe von Winnenden alleine für ihre politische Karriere instrumentalisieren, dachte sich auch die Komission für Jugendmedienschutz, die in letzter Zeit ja stark im Schatten von BPjM und Zensursula stand, dass man hier doch wunderbar auf den Zug der ahnungslosen aber rechtschaffen empörten Gutmenschen (TM) aufspringen könnte.

Das ganze sieht dann im Ergebnis so aus:
Ausländische Webshops, die in Deutschland indizierte Filme und Spiele anbieten, sollen wegen dieser Tatsache selbst indiziert werden. Das ist eine tolle Sache, nur leider gibt es da ein par klitzekleine Probleme:
1. Österreichische Händler sind nicht an deutsches Recht gebunden (unglaublich aber wahr!)
2. Das JuschG regelt relativ genau, in welchem Umfang es bei Importen aus dem Ausland greift, nämlich im Normalfall erst per Zollkontrolle beim tatsächlich stattfindenden Import durch den Käufer, und definitiv nicht beim Anbieten der Waren im Ausland.
3. Wie absurd das Ganze ist, lässt sich auch daran feststellen, welche Seiten nach dieser Logik im Ausland noch indiziert werden müssten: amazon.co.uk, amazon.fr, amazon.com, ebay.com, diverse weitere Händler aus der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, Großbritannien und und und...
4. Wobei es der cleveren KjM ja reicht, wenn auf einer entsprechenden Seite Screenshots zu finden sind, oder Trailer zu Spielen/Filmen verlinkt(!!) sind.
5. Auch deutsche Seiten wie ofdb.de u.ä. dürften nach dieser Logik sehr schnell zum Abschuss freigegeben werden.

Nun ja, das Gute ist, dass man bei staatlichen Stellen wie der BPjM, KjM oder unserer Zensursula davon ausgehen kann, dass Sachverstand und Kenntnis basaler Rechtsgrundsätze (territoriale Geltung z.b.) nicht bekannt sind, und daher solche Forderungen in einem Taumel von PR-Enthusiasmus und guter deutscher Zensurtradition ausgesprochen werden, ohne zu wissen wie sinnlos sie sind.

Ob dieses Tatsache die Situation nun besser oder schlechter macht, hängt davon ab, ob man von Seiten des Staates Kompetenz erwartet...

Mittwoch, 17. Juni 2009

Panoptikum - Knaurs Buch der Rollenspiele


Lange wars nicht nur in diesem Blog still, nein insbesondere das Thema Rollenspielerische Kuriositäten lag viel zu lange brach. Das soll sich nun ändern - Vorhang auf für das glorreiche "Buch der Rollenspiele" aus dem Verlage Knaur.

Erschienen ist es 1985 unter der Herausgeberschaft von Jürgen Franke und Werner Fuchs und es nimmt für sich in Anspruch, "ein Führer und Wegweiser in der Welt der Rollenspielsysteme" zu sein. Dabei konzentriert sich die Darstellung auf die damals in deutscher Sprache erhältlichen Systeme, namentlich DSA, D&D, Midgard, Schwerter & Dämonen, Sternengarde und Traveller. An englischsprachigen Systemen werden Call of Cthulhu und Runequest näher beleuchtet. Jedes von ihnen wird recht detailliert auf ca. 10 bis 20 Seiten beschrieben, wobei der Augenmerk auf dem Regelsystem, erhältlichen Produkten und der Spielwelt liegt. Zusätzlich gibt es kürzere Artikel zu Computerrollenspielen (textbasiert damals, wohlgemerkt), SF- und Fantasybrettspielen sowie einen (sehr knappen) Überblick über die damals schon ungleich vielfältigere englischsprachige Rollenspiellandschaft.
Um das ganze Abzurunden, bekommt der geneigte Leser gleich noch ein einfaches Soloabenteuer mit DSA-Regeln obendrauf.
Unter den Autoren, soweit sie mir bekannt sind, finden sich neben den Urgesteinen der deutschen Rollenspielszene Jürgen Franke (Midgard) und Werner Fuchs (DSA, Fanpro) unter anderem auch Rainhold Mai (Battletech-Übersetzer, Fanpro) und Rainer Nagel (mir vor allem wegen seiner stets sehr unterhaltsamen WuWe-Rezensionen bekannt).

Soweit zum objektiven Teil. Ich finde dieses Buch auch heute noch, fast 25 Jahre nach Erscheinen, sehr kurzweilig und lesenswert. Man fühlt sich geradezu in die Anfangszeiten des Hobbys zurückversetzt, als Dinge wie W20 und Abenteuerpunkte noch eine ausführliche Erklärung erforderten. Schön ist auch, dezidiert bei den einzelnen Systemen die Anfänge von Regeln und Welt(en) nachzuvollziehen. Der lockere und doch stimmungsvolle Schreibstil tut sein übriges.
Also, langer Rede kurzer Sinn: Wer sich für Rollenspielhistorie erwärmen kann und die ca. 1,50€ übrig hat, die das Buch momentan bei amazon kostet, sollte sich "Knaurs Buch der Rollenspiele" nicht entgehen lassen.

Kategorie: Nostalgischer Zeitsprung

Persönlicher Nachtrag: Für mich war dieses wunderbare Kleinod übrigens ca. 1994 der Erstkontakt mit dem Bereich Rollenspiele. Nachdem ich es in der seligen schummrig-düsteren Geisweider Stadtbücherei neben einer zerfledderten Ausgabe von Marc Millers Traveller entdeckt, ausgeliehen und zu Hause verschlungen hatte war der Kauf der DSA-Basisbox nur noch eine Frage der Zeit. Mission Accomplished!

Es ist vollbracht!

Ich habe heute meine letzte Magisterprüfung hinter mich gebracht und außerdem hat die gestern endende Petition gegen Internetzensur über 134.000 Unterzeichner gefunden.

Welches der Ereignisse der werte Leser höher bewertet, sei ihm überlassen...

Für mich heißt das jedenfalls, dass jetzt wieder aktiv weitergebloggt wird, und insbesondere das lange in der Pipeline liegende und so gut wie fertige, nächste Interview Online bald geht.

In diesem Sinne

Dienstag, 19. Mai 2009

Die Menschenwürde der Gotcha-Zombies ist unantastbar...

Mit der Menschenwürde haben wir in Deutschland ein Grundrecht, dass international eher weniger verbreitet ist. Es ist eine Art übergeordnetes Grundrecht, dass allen anderen Grundrechten Form und Rahmen gibt und mit recht unantastbar ist. Es ist einer der ultimativen Maßstäbe für staatliches Handeln und sollte/muss auch im Verhältnis der Bürger untereinander gelten.
Spannend ist nun die Frage, ob die Menschenwürde auch abstrakt, von einzelnen Personen unabhängig existiert bzw. von rechtlicher Bedeutung ist - nun ja ob das wirklich spannend ist, muss jeder für sich selbst entscheiden, auf jeden Fall ist es mehr als ein theoretisches Glasperlenspiel, wie die folgenden Beispiele zeigen:

"Ein gewerbliches Unterhaltsspiel, das auf die Identifikation der Spielteilnehmer mit der Gewaltausübung gegen Menschen angelegt ist und ihnen die lustvolle Teilnahme an derartigen – wenn auch nur fiktiven – Handlungen ermöglichen soll (hier: der Betrieb eines sog. Laserdromes mit simulierten Tötungshandlungen), ist wegen der ihm inne wohnenden Tendenz zur Bejahung oder zumindest Bagatellisierung der Gewalt und wegen der möglichen Auswirkungen einer solchen Tendenz auf die allgemeinen Wertvorstellungen und das Verhalten in der Gesellschaft mit der verfassungsrechtlichen Garantie der Menschenwürde unvereinbar."
BVerwG 6 C 3.01, Beschluss vom 24.10.2001

Hierbei geht es um die potentielle Gefahr, die von den ja auch momentan wieder zum Abschuss (pun intended) freigegebenen Gotcha- und Paintballspiele. Leider weiß ich nicht, was aus dem Verfahren geworden ist, da es zur endgültigen Klärung an den EuGH weitergegeben wurde und ich dessen Urteil dazu nicht gefunden habe, wichtiger ist jedoch was das BVerwG ausführt.
Wegen der möglichen (!) Auswirkungen einer Tendenz (!) zur Bejahung von Gewalt auf die Wertvorstellungen der Gesellschaft ist diese Freizeitbeschäftigung mit der Menschenwürde unvereinbar. Ganz schön viele Konjunktive und Vermutungen für ein Heranziehen des 800lbs.-Gorillas der Grundrechte.

aber schauen wir erstmal weiter:
"Wer Schriften (§ 11 Abs. 3), die grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen in einer Art schildern, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten ausdrückt oder die das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs in einer die Menschenwürde verletzenden Weise darstellt,
1. verbreitet,
2. öffentlich ausstellt, anschlägt, vorführt oder sonst zugänglich macht,
3. einer Person unter achtzehn Jahren anbietet, überläßt oder zugänglich macht oder
4. herstellt, bezieht, liefert, vorrätig hält, anbietet, ankündigt, anpreist, einzuführen oder auszuführen unternimmt, um sie oder aus ihnen gewonnene Stücke im Sinne der Nummern 1 bis 3 zu verwenden oder einem anderen eine solche Verwendung zu ermöglichen,

wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft."
§131 Abs. 1 StGB

Quasi in Analogie zum obigen Beispiel geht es hier wieder um eine Verletzung der Menschenwürde durch die Darstellung oder Verharmlosung von Gewalt gegen Menschen und menschenartige Wesen (Zombies, Aliens usw.).

Kommen wir nun also zur ursprünglichen Frage einer abstrakten Menschenwürde zurück. Denn wessen Menschenwürde wird den nun eigentlich verletzt? Die der Zombieschauspieler die sich freiwillig als Komparsen zur Verfügung stellen oder gar die der Paintball-Spieler die sich in gegenseitigem Einvernehmen mit bunten Farbkügelchen beschießen? Weder noch, anscheinend geht es um eine grundsätzliche Herabstufung der Bedeutung der Menschenwürde, also ein Werteverfall.
Meines Erachtens ist die Menschenwürde jedoch ein zu hohes Gut, um die in dieser Weise den guten Sitten (§138 BGB), denn um diese geht es hier eigentlich, vorzuschieben.
Was ist ein Grundrecht wert, dass gleichzeitig Folter und Paintball, Konzentrationslager und Horrorfilme verdammt?

Die Erosion der Werte einer Gesellschaft beginnt mit ihrer Überdehnung bis zur Unkenntlichkeit und nicht mit "sittenwidrigen" Filmen oder Freizeitvergnügen.

Montag, 20. April 2009

Funkstille..!?

Dem einen oder anderen regelmäßigen Leser (sofern es denn solche für meinen Blog gibt ;) ) ist es vielleicht schon aufgefallen, dass es momentan hier etwas ruhig geworden ist.
Der Grund hierfür ist, dass ich momentan mitten in den Examensprüfungen drinstecke und daher meine geistigen Ressourcen sich fast vollständig darauf konzentrieren.

Ich denke jedoch, dass ich in absehbarer Zeit wieder mehr schreiben kann. Ein nächstes Interview befindet sich zumindest schon in der Grobplanung und sollte Anfang bis Mitte Mai online gehen.

Damit die Zeit jedoch nicht völlig ungenutzt verstreicht, würde ich euch, die Leser, einfach mal bitten, ein wenig Feedback zu den ersten knapp vier Monaten zu geben. Was gefällt gut, was nicht, welche Rubriken sind interessant, welche überflüssig usw. usf. Denn nichts ist schließlich sinnloser als ein Blog, der von niemandem gelesen wird.

Mittwoch, 1. April 2009

Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert Neuauflage der DSA1 Regeln

Alles hätte so schön werden können: Zum 25 jährigen Jubiläum von DSA bringt Ulisses zur RPC einen edel gestalteten und limitierten Nachdruck der allerersten Auflage der DSA-Regeln raus. Doch leider wurde die Rechnung ohne die BPjM gemacht. Diese hat nämlich jüngst in ihrem sog. Dreiergremium entschieden, dass einige der Passagen und Bilder im Regelwerk „eine für Jugendliche und insbesondere Kinder ungeeignete Gewaltdarstellung enthalten.“
Weiterhin wird ausgeführt:
„Einige der Zeichnungen weisen einen stark anstößigen Charakter auf, der sich aus der Darstellung sexualisierter Gewalt und entgrenzter Selbstjustiz ergibt. […] Die Herausgeberin (Ulisses Spiele, Anm. des. Autors) konnte in der Anhörung nicht schlüssig darlegen, worin der angeführte pädagogische Mehrwert eines sog. Rollenspiels im Verhältnis zum Einstudieren von Gewalt als bevorzugter Methode zur Lösung von Konflikten liegt. […] Das Gremium sieht daher eine Indizierung des Produktes als einzig angemessenen Schritt im Sinne des Jugendschutzgesetzes.“
Das bedeutet, dass die Neuauflage der DSA1-Regeln nun nur noch an Erwachsene verkauft werden darf. Sie wird darüber hinaus „unter die Ladentheke“ verbannt, darf also nicht mehr beworben oder in Onlineshops verkauft werden. Diese Einschränkungen treten in Kraft, sobald die Indizierung im Amtl. Mitteilungsblatt veröffentlicht wurde, was meistens ein bis zwei Wochen dauert.
Hintergrund sind einige Zeichnungen im Regelwerk, die z.b. eine gefesselte Frau und Kampfszenen zeigen. Zusätzlich scheint die BPjM aber auch das Rollenspiel als solches gestört zu haben, bzw. einer vermeintlichen Betonung von Kämpfen bei DSA.
In einer ersten Reaktion sagte Verlagsleiter Patric „SilentPat“ Götz zur Entscheidung: „Wir waren und der Brisanz der Bilder nicht bewusst, respektieren aber die Entscheidung der BPjM.“

Tja, damals 1984 hatten Schmidt Spiele wohl das richtige Gespür für Zensur als sie von sich aus eine entschärfte Neuauflage herausbrachten, aber wer hätte gedacht, dass 2009 immer noch die gleichen Probleme auftreten.
Hoffentlich nimmt sich die BPjM nicht als nächstes Shadowrun oder Arcane Codex vor.

Update:
Nur damit keine Missverständnisse entstehen und ich am Ende noch böse Briefe von der BPjM bekomme: April April!

Donnerstag, 26. März 2009

Feder und Schwert offline

Seit heute ist die Homepage des Rollenspielverlags Feder und Schwert (WFRP, Schattenjäger, ehemals D&D 3.5 un D&D 4) offline.
Ob es sich dabei um ein "Statement" zur Zukunft des Verlages oder schlicht und einfach um die Vorbereitung eines Relaunchs der Homepage handelt, ist bisher völlig unklar.

Der Zeitpunkt ist jedoch, was die Gerüchteküche angeht denkbar ungünstig gewählt. Nachdem F&S letztes Jahr die D&D4-Lizenz verloren hatte, läuft am 01.04.09 (also in fünf Tagen) die Frist für den Abverkauf der Lagerbestände an D&D-Materialien von F&S ab.

In Ermangelung einer offiziellen Ankündigung bleibt in diesem Fall leider aber erstmal nur das Rätselraten.

Update:
oder auch nicht. ;) Die Seite geht wieder.

Sonntag, 22. März 2009

Review: Shadowrun - The Rotten Apple: Manhattan



Catalyst ist bereits seit einigen Monaten dazu übergegangen, für Shadowrun auch pdf-only Produkte zu veröffentlichen. Nach dem Digital Grimoire (Erweiterung zu Streetmagic) und dem Abenteuer Bad Moon Rising (Ergänzung zu Ghost Cartels) liegt nun mit The Rotten Apple: Manhattan die erste eigenständige Quellenbuchartige Erweiterung vor.
Na ja, so ganz eigenständig ist TRA:M eigentlich nicht, denn zum einen soll es als Hintergrund für die neue Runde der SR Missions dienen, die in New York angesiedelt sind und zum anderen erweitert es die Infos aus dem Corporate Enclaves. Man braucht jedoch anders als beim Digital Grimoire oder bei Bad Moon Rising (da ist es zumindest sehr empfehlenswert) kein anderes Buch als Grundlage um den Text nutzen zu können.

Manhattan also. Mittlerweile sind die letzten ausführlichen Infos zu NY ja schon geschlagene 18 Jahre alt, so dass es nur angebracht scheint, den Überblick aus Corporate Enclaves etwas auszubauen.
2005 wurde NYC von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht. Neben den enormen Verlusten an Menschenleben und Sachwerten, hatte es auch gravierende Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation - Wer konnte verließ die Stadt (u.a. die UNO und der NYSE). Einige Kons die sich zum Bleiben entschlossen, boten "Aufbauhilfe" im Gegenzug für eine laschere Wirtschaftsgesetzgebung an. So entstand das Manhattan Development Consortium (MDC), dass seitdem die Geschicke der Insel lenkt.

Manhattan bietet also einen interessanten Hintergrund für Runs. TRA:M gliedert sich in drei Teile. Zunächst gibt es allgemeine Infos zu Geschichte, Sicherheitskräften und Verkehr, danach folgt ein Überblick über die verschiedenen Stadtteile sowie eine Vorstellung der Mitglieder des MDC.

Der erste Teil beschreibt anschaulich den Wandel von einer florierenden Metropole über eine sich selbst überlassene Krisenregion hin zu einem Konzern-Mekka. Gelungen auch die Beschreibungs des alltäglichen Lebens und der Bemühungen des MDC, den Menschen die Normalität einer Stadt zu bieten. Die Beschreibung der Sicherheit der Stadt bietet, was der SL an Infos braucht, ist aber ansonsten doch eher zäh zu lesen.
Bei den Möglichkeiten, wie Runner nach Manhattan gelangen können, sind insbesondere die alten, stillgelegten U-Bahnschächte eine nette Möglichkeit.
Auf die Beschreibungen der Stadtteile werde ich nicht im Detail eingehen. Erwähnenswert ist jedoch Newtown, das dort entstand, wo ehemals der Stadtteil Harlem gelegen war. Ursprünglich als Vergnügungsviertel für die Konzernjugend gedacht, hat sich das ganze verselbstständigt und die Jugend probt hier die Rebellion gegen das Konzernleben. Für Runner interessant auch das Terminal, dem - leidlich geduldeten - Schwarzmarkt von Manhattan sowie The Pit, der Teil von Manhattan der noch nicht wiederaufgebaut ist und dementsprechend eine Barrens-Gegend ist.
Der Abschnitt MDC bietet Hintergrunde zu den in Manhattan aktiven Kons und ihren Aktivitäten. Neben den bekannten AA- und AAA-Kons werden außerdem NYPD Inc., Prometheus Engineering, Trans-Orbital sowie die Citigroup vorgestellt.

Fazit:
Die 32 Seiten von TRA:M sind vollgepackt mit Informationen. Eigentlich kann man TRA:M als vollständiges, zusätzliches Kapitel zu Corporate Enclaves sehen. Schön ist, dass es anders als bei den bisherigen pdf-onlys neues Artwork gibt, dass vom feeling her an SR2 erinnert (qualitativ aber nicht an die "Altmeister" heranreicht). Leider wurde die Übersichtskarte von Manhattan nicht beschriftet, so dass man sich die Lage der einzelnen Viertel anhand der Umrisse heraussuchen muss.
Für momentan umgerechnet ca. 3,15€ lohnt sich TRA:M eigentlich uneingeschränkt - sofern man des Englischen mächtig ist.

P.S.: Danke an concrete für eine "kleine" inhaltliche Korrektur. ;)

Samstag, 21. März 2009

Interview mit Peer „sirdoom“ Bieber - Teil 2

Und weiter geht’s mit dem zweiten Teil des Interviews mit Peer Bieber…

Du bist ja auch als Blogger aktiv, nicht nur was Rollenspiele angeht, sondern auch im bereich allgemeinerer, politischer Themen. Was hat dich zum bloggen gebracht und wie stehst du dazu?


Zum bloggen bin recht zufällig gekommen, vereinfacht durch Ego, geplatzte Halsschlagadern und Gelegenheit. Ich schreibe auch öfter Texte zu Themen, die vollkommen RPG-fremd sind, die dann leider im Giftschrank landeten mangels Publikationsplattform. Und wie jeder andere hab ich Links zu Kino- und Spiele-Trailern, lustigen Dingen und den Aufregern der Woche via Email an Freunde geschickt. Nachdem ich dann ehr durch Zufall über Wordpress gestolpert bin und es einfach genug fand, um mir nicht auf die Nerven zu gehen, habe ich kurzentschlossen einfach ein Blog aufgemacht, in dem es seitdem um Politik, Wirtschaft, Bürgerrechte, Musik, Kunst, Dummfug, RPG- und Tabletop-News und Insiderinfos aus der Branche geht. Ziemlich absurder Cocktail, aber bis jetzt funktioniert es ganz gut. Ich unterscheide zwischen „live“ geschriebenen Artikeln und vorbereiteten Artikeln. Den Unterschied merkt man auch deutlich beim Lesen*g*. Der erste vorbereitete Artikel waren Background-Infos zu Wizkids und Topps, die nun wirklich nicht jeder hatte.

Probleme gibt es in der Hinsicht, dass ich natürlich wesentlich mehr weiß, als ich schreiben kann. Da passieren dann solche Sachen, das z.B. irgendwer das Cover für Buch XYZ vor einem online stellt, obwohl es seit Monaten auf dem eigenen Computer liegt, weil man den Tag, an dem Freigabe kommt, gerade mal auswärts ist. Künstlerpech halt.

Generell halte ich den sogenannten Bürgerjournalismus für eine sehr wichtige Sache und bewundere da besonders Berthold Brechts Ideenreichtum.

Natürlich ist da auch jede Menge Schrott dabei, aber das Internet und Blogs sind einer der wahrscheinlich wichtigsten Beiträge zum freien Informationsaustausch und basisdemokratischen Utopien, den es je gegeben hat. Besonders in Zeiten in denen gerade die westlichen Demokratien sich in Oligarchien und Pseudo-Technokratien, die nur noch dem Lobbyismus Gehorsam schulden, verwandeln und in einem freien und unzensierten Informationsaustausch eine Gefahr sehen. Wo auch wieder ein Shadowrun-Bezug vorhanden ist. Es wird immer schwieriger in Shadowrun Überwachungsszenarien und die Maßnahmen totalitärer Staaten plastisch darzustellen, weil man als Autor dabei andauernd rechts von der Wirklichkeit überholt wird und leider nicht nur durch Länder wie China.

Stichwort freier Informationsaustausch. Bieten Blogs vor allem Informationen oder doch eher Meinungen?

Klar bieten sie Informationen, ob es reine Newsmeldungen sind, aus welcher abstrusen Sparte auch immer, oder sogar gut recherchierte Hintergrundbeiträge, ohne Blogs, die Meldungen „redaktionell“ aufbereiten, würde so gut wie niemand mitbekommen, wenn z.B. ein Kleinverlag etwas Neues rausbringt. Je näher sich Blogs hingegen thematisch den Mainstream-Medien annähern, desto mehr reine Meinung kommt darin vor, abgesehen von den üblichen Ausnahmen. Und ja, ich generalisiere hier gerade stark.

Mittlerweile vergeht ja kaum ein Tag, an dem bei SPON (und anderswo) nicht ein Artikel zum Thema Bloggen, Twitter u.ä. erscheint. Das Web 2.0 scheint den traditionellen Medien gehörigen Respekt einzujagen. Siehst du diese neuen Informationsformen als Konkurrenz zu den klassischen (journalistischen) Medien?

Da muss man vielleicht etwas weiter ausholen. Traditionelle Medien unterliegen seit Jahren dem Trugschluss unersetzbar zu sein. Zur selben Zeit ist ihre eigene Abhängigkeit von Werbung und den Interessen gewisser Gruppierungen sehr groß geworden. Der Leser ist nicht dumm und merkt durchaus, wenn manche Dinge ausgelassen werden oder er eiskalt verarscht wird. Anfangs wurde der aufkeimende Bürgerjournalismus noch belächelt, aber bei bröckelnden Einnahmen, brutaler Kritik an der Leserbasis und mehreren größeren Scoops, welche von Bloggern gelandet wurden und nicht von den klassischen Medien, findet langsam ein Umdenken statt. Inwieweit der Balanceakt zwischen Journalismus als vierte Staatsgewalt und gekaufter Hofberichtserstattung gutgehen wird, bleibt abzuwarten. Persönlich gehe ich von einer tiefgreifenden Flurbereinigung aus, aus der einige der traditionellen Medien sogar gestärkt und qualitativ stark verbessert hervorgehen werden, während die großen Blogs entweder Teil dieses Konstrukts werden oder sich der Sparte zuwenden. Ohne jetzt die Gründung einer staatlichen „Genehmigungskommission“ für Journalisten einzurechnen.

Wird sich deiner Meinung nach die Zukunft des Journalismus im Internet abspielen?

Die gedruckte Zeitung ist zum Aussterben verurteilt, da sie leider kaum genug Liebhaberpotential mit sich bringt, im Gegensatz zu Büchern. Brauchbare E-Book-Reader werden diesen Vorgang noch verstärken. Eine Zeit lang werden die beiden Modelle Zeitung fürs E-Book und reiner Online Content parallelel zueinander herlaufen, man wird sehen, was sich durchsetzt.

Wie beurteilst du die Funktion von Blogs innerhalb einer doch eher kleinen Community wie der der Rollenspieler? Und wie sieht es mit Foren aus?

Überbewertet und doch sehr positiv. Mich ärgert es immer auf rsp-blogs.de eine Welle mit denselben Neuigkeiten zu lesen, die alle bringen. Entweder hat man noch was dazu anzumerken, was nicht schon überall steht, oder man sollte es sich einfach verkneifen. Andererseits gibt es immer wieder unglaublich gute Artikel, die mehr als nur ein paar Leute lesen sollten. Foren sind aber immer noch das gängigere Kommunikationsmittel und eignen sich für Diskussionen auch meist besser. Allerdings gibt es da natürlich einen Interessenkonflikt zwischen Betreiber und Teilnehmer. Auf der einen Seite hat man übereifrige Mods/Admins welche die Stimmung eines Forums schnell mal killen können und auf der anderen Seite kann man natürlich verstehen, wenn es z.B. einem Verlag nicht recht ist, in seinem Forum zu lesen „Das neue Buch ist scheiße, ihr seid scheiße und wer das Spiel XYZ spielt ist auch scheiße“. Konstruktive Kritik ohne gleich ausfallend zu werden ist da hilfreich. ;)

Besteht die Gefahr dem Wunsch einer „lauten“ Minderheit in Foren im Hinblick auf Veränderungen nachzugeben und dann hinterher festzustellen, dass die „schweigende Mehrheit“ der Spieler nicht zufrieden damit ist?

Schwierig Frage. Die Gefahr besteht durchaus, allerdings hat man ja auch seine eigene Rollenspielrunde und bekommt auch privat Feedback, an meinem Wohnort gibt es z.B. einen Rollenspielstammtisch, wo die Dinge meist etwas weniger „konfrontativ“ rübergebracht werden, als teilweise in einem Forum. Auch auf Conventions und Messen unterhält man sich mit den Spielern und so kommt am Ende schon ein recht ausgewogenes Bild zustande, welches manchmal identisch mit dem Stimmungsbild des Forums ist und manchmal vollkommen unterschiedlich. Ganz dumm gelaufen ist es natürlich, wenn die Spieler etwas wünschen, man selber den Sinn dahinter sieht, aber aus bestimmten Zwängen heraus daran nichts ändern kann.

Ein Beispiel: Es gab Leute die sich durchaus lautstark darüber beschwerten, warum der angekündigte Preis für das neue Pegasus Shadowrun Grundregelwerk höher ausfallen würde und hatten auch gleich einige durchaus treffende aber auch einige komplett abwegige Theorien dafür auf Lager. Als Eingeweihter wusste man natürlich schon seit Monaten den Grund (vollfarbiges Regelwerk), konnte und durfte diesen aber nicht nennen.

Und ich habe früher als reiner Fan selber so einige Male ins Fettnäpfchen gegriffen bei sowas…

Greifst du Ideen aus Foren für Shadowrun auf?

Garantiert nicht, weil das rechtliche Konsequenzen haben könnte. Theoretisch wäre es sogar am besten, die betreffenden Foren gar nicht zu lesen. Praktisch lässt sich zumindest das Aufnehmen der Grundstimmung nicht verhindern, wobei das ehr eine positive Sache ist. Trotz teilweise gegenteiliger Meinung wissen wir durchaus über die Punkte bescheid, die von der Spielerschaft kontrovers gesehen werden. Aber man kann es nie allen recht machen, was man auch gar nicht erst versuchen sollte, da kommt nur Chaos bei raus. Einige Dinge ärgern einen durchaus selber, aber einfach alles von früher umschmeißen geht auch nicht, bösartigster Dominoeffekt.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Zukunft!

Trauer..? Wut!

Bundespräsident Horst Köhler hat anlässlich der Trauerfeier für die Opfer des Amoklaufes in Winnenden gesprochen:

Doch es bleiben Fragen an uns alle: Tun wir genug, um uns und unsere Kinder zu schützen? Tun wir genug, um gefährdete Menschen vor sich selbst zu schützen? Tun wir genug für den inneren Frieden bei uns, den Zusammenhalt? Wir haben uns auch alle selbst zu prüfen, was wir in Zukunft besser machen, welche Lehren wir aus dieser Tat ziehen müssen.

Zum Beispiel wissen wir doch schon lange, dass in ungezählten Filmen und Computerspielen extreme Gewalt, die Zurschaustellung zerstörter Körper und die Erniedrigung von Menschen im Vordergrund stehen. Sagt uns nicht der gesunde Menschenverstand, dass ein Dauerkonsum solcher Produkte schadet? Ich finde jedenfalls: Dieser Art von "Marktentwicklung" sollte Einhalt geboten werden.

Eltern und Angehörige von Opfern haben mir gesagt: "Wir wollen, dass sich etwas ändert". Meine Damen und Herrn, das will ich auch. Das sollten wir alle wollen. Und da ist nicht nur der Staat gefordert. Es ist auch eine Frage der Selbstachtung, welche Filme ich mir anschaue, welche Spiele ich spiele, welches Vorbild ich meinen Freunden, meinen Kindern und Mitmenschen gebe. Zur Selbstachtung gehört es, dass man "Nein" sagt zu Dingen, die man für schlecht hält - auch wenn sie nicht verboten sind. Die meisten von uns haben ein Gespür für Gut und Böse. Also handeln wir auch danach! Helfen wir denjenigen, die sich in medialen Scheinwelten verfangen haben und aus eigener Kraft nicht mehr zurückfinden. Helfen wir auch Eltern, denen ihre Kinder zu entgleiten drohen.


Eigentlich sah es in den letzten Wochen gut aus, Experten und Medien schienen bemüht sich ernsthaft und differenziert mit den Ursachen für den Amoklauf auseinanderzusetzen; Eindimensionale Erklärungsansätze waren die Seltenheit. Natürlich war all das ein Strohfeuer, denn der gesunde Menschenverstand von Horst Köhler weiß es natürlich besser...

Der Bundespräsident befindet, dass dieser Marktentwicklung Einhalt geboten werden muss. Mal abgesehen davon, dass es ungeheuerlich ist, dass ein Bundespräsident öffentlich bestimmte Produkte schlecht macht - ja wie denn noch???? Deutschland hat das europaweit schärfste Zensurrecht (FSK, SPIO/JK, BPjM, sogar strafrechtliche Normen) und trotzdem gibt es Amokläufe. Wie viele Amokläufe gab es in den letzten Jahren in den liberalen Niederlanden, in Italien oder in Spanien. Dort kann jeder 16-Jährige die einschlägigen Filme und Spiele kaufen...

Außerdem sind besagte Medien "schlecht" und "böse". Schön, dass George W. seine eindimensionale Reinkarnation in unserem Bundeshorst gefunden hat. Wie anmaßend kann man sein, dass man eine Trauerfeier missbraucht um mit den eigenen Moralvorstellungen hunderttausende Mitbürger der Unterscheidung zwischen gut und böse als unfähig hinzustellen? Bei so viel Unverfrorenheit fehlen mir die Worte.

Mein gesunder Menschenverstand sagt mir jedenfalls, dass ich zur Unterscheidung zwischen Gut und Böse nicht der Anleitung eines Bundespräsidenten bedarf.

Und wieder, in einem Moment in dem Trauer um die Opfer und Mitgefühl mit den Angehörigen die einzig richtigen Gefühle sind, drängt sich doch die Wut über unverantwortliche Scharfmacherrethorik in den Vordergrund.

Donnerstag, 12. März 2009

Frau Koma, gehen sie bitte!

Gerade mal zwei Wochen ist es her, da schrieb ich:
"Irgendwann wird es den nächsten Amoklauf geben, da die tatsächlichen Ursachen wie familiäre und schulischen Probleme, Mobbing, zu hoher Leistungsdruck u.ä. natürlich nicht angegangen werden."

Nun ist es also wieder passiert. Zwar ist noch nicht eindeutig geklärt, wie genau die hintergründe der Tat aussehen, aber die Hetzpresse, allen voran stern.tv und BLÖD sind sich natürlich nicht zu schade dafür, "Killerspiele" in den Mittelpunkt zu rücken, wobei bei stern.tv mittlerweile auch World of Warcraft dazuzählt.
Nun ja, wenig überraschend und eigentlich nicht der Rede wert. Der nächste Schritt wird das öffentliche Verbrennen von Couterstrike, Braindead usw. sein - aber bis dahin lohnt es sich nicht, sich mit dem Geschrei der geistig Überforderten auseinanderzusetzen.

Wie gesagt, die Hintergründe der Tat sind unklar, eine Ursache hingegen lässt sich jetzt schon benennen:

Geld.

Es kostet Geld, das Jugendschutzgesetz durchzusetzen. Auch wenn ich in Horrorfilmen und Ego-Shootern keine Ursache für Amokläufe sehe, so kann virtuelles Töten bei einem labilen Menschen vermutlich dennoch als Verstärker wirken. Gerade bei einem Jugendlichen. Eben, ein Jugendlicher, der weder Counter-Strike spielen, noch sich die einschlägigen Filme anschauen dürfte. Die Eltern hats wohl nicht gestört und einen effektiven Jugendschutz in diesem Sinne gibt es nicht, das würde Geld kosten und mehr als ein Gesetz erfordern.

Es kostet Geld, das Waffengesetz durchzusetzen. Hier haben wir exakt die selbe Situation, ein rigides Gesetz, aber keine effektiven Kontrollen. Und wiederum eine Fahrlässigkeit der Eltern, die die Tat erst möglich machte.

Und am allerwichtigsten:
Es kostet Geld, präventive Arbeit an den Schulen zu leisten. Nun gibt es wohl für alle Schulen Notfallpläne u.ä., diese zielen aber auf das Verhalten bei Amokläufen ab, nicht auf die Prävention. Präventive Programme, werden entweder nur von karitativen Organisationen angeboten, oder kommen aus der Wissenschaft und werden nicht gefördert.

Und schon sind wir bei unserer Ursula angelangt, denn zumindest Punkt 1 und Punkt 3 fallen in ihr Ressort. Allerdings war ihr das Thema Prävention von Amokläufen wohl nicht wichtig genug, dafür ausreichende Mittel in den Haushalt einzustellen.

Die einzig logische Konsequenz ist der Rücktritt.

Aber das wird natürlich nicht passieren, schließlich kann man irgendwo immer noch an einem Gesetz drehen, um Aktionismus vorzutäuschen. Papier ist geduldig... Bis zum nächsten Mal.

Mittwoch, 11. März 2009

Interview mit Peer „sirdoom“ Bieber (Shadowrun und Space Gothic-Autor, Blogger)

Und die Interviewreihe geht weiter. Diesmal mit Peer Bieber, mit dem ich über seine Arbeit als freier Rollenspielautor sowie als (manchmal recht bissiger) Kommentator der Szene und des Weltgeschehens sprechen werde. Da das Interview sehr umfangreich geworden ist, werde ich es in zwei Teilen präsentieren, von denen der erste sogleich folgt. Viel Vergnügen!

Hallo Peer, stell dich doch erstmal kurz vor. Wer bist du und was tust du so im Bereich Rollenspiele?


Nun ja, ich spiele seit über 17 Jahren RPGs und Tabletops, geboren und aufgewachsen an der Nordsee, ich studiere Anglistik und Politikwissenschaften und arbeite seit einigen Jahren als freier Mitarbeiter, als sogenannter „Freelancer“ in der Spielebranche. Ursprünglich bin ich über die Romane zum Rollenspiel gekommen. Erst Perry Rhodan, Mark Brandis und dann Shadowrun (2XS von Nigel Findley), Battletech (Entscheidung am Thunder Rift) und DSA (Der Scharlatan). Mein erstes eigenes RPG Buch war der Shadowrun Straßensamurai Katalog, (das Grundregelwerk hatte wer anders). Danach kam die ganze Palette: Earthdawn, KULT, Cthulhu, AD&D, später D&D, Space Gothic, WOD, Traveller, GURPS, auch BESM, usw. Meine Lieblingswelten waren aber immer Battletech, Shadowrun und Space Gothic. Ansonsten bin Fan von Heavy Metal, trotz oder gerade wegen meiner Ausbildung als Violinist, fahre Motorrad wann immer möglich und bin bekennender Coke-Junkie, Kaffee ist nicht so mein Ding, Coffein muss aber trotzdem sein. Als Freelancer in dieser Branche habe ich seit einiger Zeit so ziemlich alle Themenfelder abgegrast: Autor, Lektorat, Übersetzungen, Projektleitung, Playtesting, Abenteuer- und Szenario-Design, Workshops und Spielrunden. Aktuell arbeite ich für Pegasus Spiele an Shadowrun und für Ulisses Spiele an Space Gothic.

Wie hat man sich das Leben als Rollenspielautor vorzustellen?

Undankbar, arm, frustrierend & stressig an schlechten Tagen. Kreativ, spannend, witzig und herausfordernd an guten Tagen. Arbeit kommt immer in Wellen angeschwappt und die Fertigkeit „muss gestern fertig sein!!!“ sollte man unbedingt haben.

Woran arbeitest du im Moment für Shadowrun?

Aktuell am Frankfurt Add On für das deutsche Konzernenklaven (Corporate Enclaves), welches rund 40 Seiten lang wird, inklusive zweier Frankfurt-Pläne und im zweiten Quartal 2009 erscheinen wird. Dabei kümmere ich mich vordringlich um Ares Europe und einem Teil der Frankfurter Börse. Wobei Ares ADL/Europe schon etwas problematisch ist. Außer „ist groß“ findet sich relativ wenig in den bisherigen Büchern, andererseits müssen Dinge wie der Cross Applied Technologies Buyout und die komplette Neugestaltung der Ares Geschäftsstruktur ja auch rein und zwar nachvollziehbar, halbwegs logisch und dazu trotzdem interessant und mit Ansatzpunkten für Runs. Das ist immer ein Balanceakt, wenn man es richtig machen will. Demnächst wird wohl der aktuelle Pegasus Spiele Abenteuerwettbewerb „ChromPredator“ kommen, da ich auch schon beim ersten Wettbewerb Jury gewesen bin. Nebenbei versuche ich irgendwo Zeit zusammenzukratzen, um die alten Deckard-Kurzgeschichten zu überarbeiten und weiterzuspinnen, vor allem weil Deckard ein Eigenleben entwickelt hat und in verschiedenen Quellenbüchern auch ohne meine Zutun aufgetaucht ist und mittlerweile auch in Chicago und Istanbul war, wie im Digital Grimoire, welches einigen „Gerüchten“ zufolge in die Pegasus Neuauflage des Straßenmagie (ca. Mitte des Jahres) eingearbeitet wird, nachzulesen ist. Dazu kommen natürlich auch noch in absehbarer Zeit Emergenz (dieses WE auf der Hannover spielt), Vernetzt (Unwired), Feral Cities und „Geister-Kartelle“(Ghost Cartels).

Geister-Kartelle soll sich ja ebenfalls von der US-Ausgabe unterscheiden. Wird es ein deutsches Add On geben oder ist da noch etwas anderes geplant?

Das weltweite Auftauchen von „Flipside“ wird den Seattler „Mob War“ wie einen Kindergeburtstag aussehen lassen und natürlich auch Einfluss auf die Allianz Deutscher Länder als das europäische Transitland haben. Geplant ist deshalb einige Texte auszutauschen, um den Spielern die Ereignisse in der ADL ausführlich zu präsentieren. Das dabei entstehende „Cut“ – Material wird aber in anderer Form verfügbar gemacht werden. Was genau und wie geändert wird, steht aber noch nicht final fest.

Wie geht ihr mit dem um, was bisher aus deutschen Landen für Shadowrun veröffentlicht wurde? Versucht ihr auch die Romane – die ja nie Kanon waren – zu berücksichtigen?

Ich könnte jetzt die Melodie von Tetris pfeifen. Was Shadowrun Quellenbücher angeht, sieht es folgendermaßen aus: Wenn es nicht Kanon-Material widerspricht, nicht total an den Haaren herbeigezogen ist und von Relevanz für das nächste Buch ist, wird dieses Material natürlich berücksichtigt. Manchmal muss man aber auch die große Axt des heiligen RetCon ansetzen, manchmal erwähnt man es einfach nicht mehr, manchmal muss man der Sache einfach nur einen anderen „spin“ geben, damit es funktioniert. Allerdings kommen solche Totalausfälle gar nicht so häufig vor, wie einige Leute denken. Bei den Romanen wird versucht sie zu berücksichtigen, aber z.B. eine Atombombe vor Pomorya hochgehen zu lassen, verursacht schon so einige Probleme, auch wenn der Roman in dem das passiert, sonst ziemlich gut ist.

Was hat sich für dich als Autor seit dem Wechsel von Fanpro zu Pegasus geändert?

Man merkt das wieder Feuer drin ist und man unterstützt wird, das was „geht“. Ansonsten kennt man die Leute mit denen man arbeitet ja schon etwas länger, so groß ist die Branche ja nun auch nicht.

Bei Fanpro war also am Ende die Luft raus?

„Luft“ ist eine gute Umschreibung für das was am Ende nicht mehr vorhanden war...

Ob ich dir da noch mehr aus der Nase ziehen kann..?

Leider nein, ich bin das Thema betreffend immer noch etwas „verschnupft“. Allerdings könnte man David M. Stansel-Garner, den Materials & Operations Manager von Catalyst Games, danach fragen. Er hätte da wohl relativ eindeutige Ansichten...

Zwischenzeitlich hast du ja auch für Catalyst direkt an englischsprachigen Shadowrun-Sachen gearbeitet, bzw. tust das immer noch. Inwieweit unterscheidet sich diese Arbeit von der fürs deutsche Shadowrun?

Leider kann ich da aus Zeitgründen nicht zweigleisig fahren, weswegen sich meine Arbeit an englischsprachigen Shadowrun-Material auf „Shadows of Europe“(als es noch ein Fanprojekt war) und Playtesting für Shadowrun 4 beschränkt, wobei bei der aktuellen Verzahnung natürlich auch kleine Teile von meinen deutschen Texten in US Publikationen wiederauftauchen.

Aber man kennt natürlich einen Großteil der Beteiligten, ob von Messen, Conventions oder durch Onlinekontakt. Nach meiner Erfahrung liegt der Unterschied vor allem auch in der Anzahl der beteiligten Personen, die alle jedesmal originäres Material fabrizieren müssen und nicht nur übersetzen müssen, was bei uns ja nicht immer und auch nicht in dem Ausmaß ansteht. Da müssen einige Dinge dann natürlich etwas strikter gehandhabt werden und können nicht ausschweifend ausdiskutiert werden. Ansonsten besteht da kein großer Unterschied.

Apropos ausschweifend diskutieren. Auch die deutschen SR-Autoren sind ja über die gesamte Republik verstreut. Wie hat man sich da den Austausch über die Arbeit vorzustellen, alles über den Chefredakteur?

Lofwyr bewahre, unser Chefredakteur Tobias „Tigger“ Hamelmann würde sich bedanken, wenn wir wirklich alles über ihn laufen lassen würden. Grundsätzlich trifft man sich ja eh mehrmals im Jahr auf diversen Cons und Messen und kann schon mal gewisse Dinge vor Ort abklären. Email und Telefon gibt es ja auch noch und unter uns Pastorentöchtern, es könnte theoretisch ja auch ein Redaktionsforum geben ;).

Denkst du, dass Shadowrun in Deutschland wieder den Stand erreichen kann, den es vor dem Ende von Fanpro (als Rollenspielverlag) hatte?

Kurze Antwort: Ja! Lange Antwort: Wir reden hier über einen schrumpfenden Markt, was die Dinge etwas schwierig macht. Aber wenn man sich die Richtung anschaut und den Support den Pegasus liefert, dann denke ich schon, dass Shadowrun wieder zu einem DER Rollenspiele in Deutschland wird. Wobei ich grundsätzlich gar nicht glaube, dass über Nacht ein Großteil aller Shadowrun-Gruppen in Deutschland verschwunden ist und Pegasus ist bisher mit dem Erfolg von ShadowrunD – ich zitiere – „sehr zufrieden“.

Welcher Part deiner Vergangenheit als Freelancer ist für dich der gelungenste? Auf welche Figur/welches Ereignis/welche Location o.ä. bist du besonders stolz?

Die holde Falle der Selbstbeweihräucherung. Natürlich wäre da der Charakter Deckard, vor allem wegen der Kurzgeschichten, die ich dazu geschrieben habe und der mir dadurch natürlich ans Herz gewachsen ist. Außerdem stehen die Deckard-Kurzgeschichten für meinen Einstieg bei Shadowrun. Die Reichweitentabelle für Feuerwaffen des SR4 Grundregelwerks, da sag ich aber nicht warum. Die Waffen aus den Drafts des Arsenal 2071 (2008) die ich vorausschauend, mit Unterstützung eines Komplizen, schon mal ins Schattenstädte (2006) geschmuggelt habe. Der Schattenstädte Shadowtalk zu Airbus auf Seite 143 bezüglich der „Sportflugzeuge“ entspricht übrigens der Wirklichkeit! In Erinnerung geblieben ist natürlich auch die SPIEL 2005, als auch der „Firmenwagen“ den wir uns damals „organisiert“ haben. Oder auch der Multiuserrun auf der NordCon, der unter das Motto „3 Männer und ein Babyphon“ fiel; die Dinger können ganz schön eigenwillig sein. Und nur über meine Leiche werde ich je wieder in einem durchschnittlich großen Klassenzimmer spielleiten, wenn dieses mit 5 Promorunden à 8+ Leuten vollgestopft ist!!!

Neben deiner Arbeit für Shadowrun bist du auch für Ulisses bei Space Gothic tätig. Sitzt du damit zwischen den Stühlen? Inwieweit unterscheidet sich deine Tätigkeit für Space Gothic von der für Shadowrun?

Ich bin Freelancer, ich sitze grundsätzlich zwischen den Stühlen, wobei man Stühle vielleicht durch aufeinander zurasende LKWs mit Dornen und Flammenwerfern ersetzen sollte. Aber nein, ich persönlich sehe da keinerlei Probleme. Der Unterschied besteht natürlich erst mal darin, das Space Gothic ein Kult-RPG ist, dessen Verbreitungskreis gegenüber Shadowrun doch – noch *g* - geringer ist. Shadowrun ist „Magic meets Dark Future“, Space Gothic ist „Military Sci-Fi meets Cthulhu“, da ist schon die Grundstimmung komplett anders.

So freue ich mich z.Z. ganz besonders darauf für das Space Gothic Overkill „Reloaded“ die Introfiction zu schreiben, wofür ich mir schon einige ganz böse Dinge habe einfallen lassen. Ich muss mir noch dringend ein Memo an den Bildschirm kleben, es mit dem Splatter nicht zu übertreiben. Ich will auch versuchen folgenden Satz einzubauen (geschickter Spoiler anbei!):

„Das Verkehrsministerium warnt vor den Kabinen der 3ten Klasse. Sie sind nicht ausreichend (nach §112b, RflGtz) gegen Strahlung geschützt. Anmerkung: Die Besatzung sieht die Quartiere der 3ten Klasse als internen Strahlenschild des Raumschiffes zwischen Reaktor und Mannschaftsquartieren; genau so werden diese Passagiere auch behandelt.“

Ansonsten stehen wir da aber noch ziemlich am Anfang. Ansonsten wird auch an drei anderen, „anders-formatigen“ Büchern gearbeitet, zu denen ich aber lieber noch nichts sage.

Da du ja ziemlich gut informiert bist und ja in durchaus engem Kontakt mit den Leuten von CGL stehst, gibt’s was Neues hinsichtlich der Rückkehr Battletechs nach Deutschland zu vermelden?

„Kein Kommentar“ reicht wohl nicht, oder?

Nein... ;)

Battletech wird auf jeden Fall auf Deutsch zurückkehren, spätestens wenn die neue Battletech Romanserie angelaufen ist. Für das Tabletop und das RPG sehe ich z.Z. aber leider eher schwarz. Als das Total Warfare in den USA rausgekommen ist, wäre es ein idealer Zeitpunkt gewesen, aber jetzt haben sich die Interessierten eh alle die US Version gekauft und der Rest spielt nach den alten Regeln und ist damit zufrieden. Allerdings ist Battletech trotz der nicht vorhandenen deutschsprachigen Bücher keineswegs tot in Deutschland, auch wenn es einige unschöne Ereignisse innerhalb der Community gab, die aber nach einigen Anstrengungen gelöst werden konnten.

So sind mittlerweile durch Megamek viele neue Leute und auch alte Hasen wieder eingestiegen. Chapter wie die 5th Syrtis Fusiliers – wo sich neben mir auch ziemlich viele andere Autoren tummeln – oder Vereine wie Team Trueborn sorgen auch weiterhin für ausreichend Mech-Action. Wie viele Leute man immer noch mit Battletech begeistern kann, konnte man auf der RPC 2008 sehen, wo das 3D-Gelände der Syrtis Fusiliers geradezu umlagert wurde.

Mit den unschönen Ereignissen meinst du wahrscheinlich die Probleme im BT.info-Forum.

Es gab da einige langwierige Konflikte, die unterschwellig schon einige Zeit am brodeln waren und als es mal wieder hochkochte, habe ich die Dinge einfach mal beim Namen genannt. Abgesehen vom doch harten Gegenwind hat es mich sehr gefreut die vielen zustimmenden Kommentare und Emails zu bekommen, so dass offensichtlich wurde „hier läuft was vollkommen falsch“. Mittlerweile hat da ein Umdenken stattgefunden und es hat sich gezeigt, die Selbstheilungskräfte einer Community funktionieren durchaus.

An dieser Stelle erstmal ein Schnitt, da wie gesagt das Interview sehr umfangreich geworden ist. Im zweiten Teil, der in den nächsten Tagen online gehen wird, dreht sich alles ums Internet, die Bloggerei sowie den Sinn oder Unsinn von Rollenspielforen.

http://sirdoomsbadcompany.wordpress.com/

Dienstag, 3. März 2009

Astrópía - movie bit


Nun ist er also auch deutsch erschienen, der zumindest von der Rollenspielgemeinde langerwartete isländische Blockbuster Astrópía...

Hildur ist ein Society Girl deren betuliches Leben plötzlich aus den Fugen gerät, als ihr Lebensgefährte verhaftet wird. Ohne Geld und völlig auf sich allein gestellt, versucht sie über die Runden zu kommen. Schließlich kommt sie an einen Job als Verkäuferin in einem kleinen, seltsamen Laden - dem titelgebenden Astrópía. Sie taucht ein in eine Welt voller Nerds, Drachen und seltsamer Gestalten. Doch ihr altes Leben holt sie schon bald ein...

Die 90 Minuten des Films vergehen wie Flug und Langeweile kommt eigentlich keine auf. Dafür sorgen neben komischen Situationen und schrägen (aber liebenswerten) Charakteren insbesondere die vielen Anspielungen aus dem Bereich Film, Rollenspiel und Comics.
Viel Geld stand den Machern vermutlich nicht zur Verfügung, aber aus dem Vorhandenen wurde das Beste rausgeholt, wobei der eine oder andere schicke CGI-Effekt die Fantasy-Sequenzen natürlich deutlich aufgewertet hätte. Die deutsche Synchronisation ist nicht optimal aber ausreichend (in der deutschen Fassung findet auch ein gewisser Borbarad seinen Platz - für mich ein bissl zu viel der Lokalisation).

Fazit:
Astrópía ist ein nettes Filmchen, dass vor allem unter dem (in einschlägigen Kreisen) vorher praktizierten Hype zu leiden hat - denn ein Überfilm ist es nicht geworden. Er hat seine Momente und weiß durchweg zu unterhalten, mehr aber auch nicht. Aber beim Thema Rollenspiel reicht mir persönlich das vollkommen.

Mittwoch, 25. Februar 2009

Ein Quantum Trost

http://www.amazon.de/James-Bond-007-Quantum-Steelbook/dp/B001QB0IZY/ref=cm_cr_pr_product_top

Dank dem guten Herrn Bond scheint doch mal ein Hauch von Kritik an der Sinn-, Nutz- und Gedankenlosen "Jugendschutzpolitik" unserer Ursula in der breiteren Öffentlichkeit anzukommen.
Bringen wird das natürlich nichts, denn irgendwann wird es den nächsten Amoklauf geben, da die tatsächlichen Ursachen wie familiäre und schulischen Probleme, Mobbing, zu hoher Leistungsdruck u.ä. natürlich nicht angegangen werden - dass würde schließlich mehr Arbeit als ein eben mal dahingerotzes Gesetz erfordern. Und dann wird von Berlin bis München wieder das übliche medial in Szene gesetzte Zensurgeschrei der üblichen Verdächtigen zu vernehmen sein , welches dann gekonnt von investigativem Journalismus sekundiert, noch härtere Gesetze fordern wird.

Nun ja, same shit usw.

Aber gut, ganz dem europäischen Gedanken verpflichtet, kann man das ganze eben auch als Unterstützung für unsere schwer gebeutelten Nachbarn sehen. Die haben zwar auch hässliche Logos vorne drauf, aber die sind wenigsten kleiner...

Nachtrag:
Interessant, amazon hat das arg hässliche cover gegen ein "normales" ausgetauscht.

Donnerstag, 19. Februar 2009

Ehre wem Ehre gebührt...

Jess Franco bekommt den spanischen Goya-Award für sein Lebenswerk.

Beweis

Da schieb ich doch zur Feier des Tages gleich nochmal Oasis of the Zombies in den Player.

Mittwoch, 18. Februar 2009

Band of Zombies - Neues von AFMBE

Unser aller Lieblings-Zombie-Survival-Horror-RPG von Eden Studios scheint doch nicht tot zu sein.

Im soeben erschienenen "Eden Studios Presents Vol.3" gibt es Werbung für ein Buch (oder pdf?) namens "Band of Zombies", dass nicht nur im Titel ein wenig (*hust*) an Band of Brothers angelehnt ist.

Inhaltlich wird es wohl um das Themenfeld 2. Weltkrieg und Nazi-Zombies gehen und damit vermutlich die entsprechenden Infos aus Pulp Zombies und Worlds of the Dead vertieft werden.
Genaues weiß man nicht, aber für mich als großen Freund des Nazi-Zombie-Subgenres klingt das ganze natürlich sehr vielversprechend.

Schaun mer mal.

P.S.:
Danke an AD, meinen Lieblingstiger und Hinweisgeber.

Sonntag, 15. Februar 2009

Doomsday - movie bit


2033: Nachdem ein tödlicher Virus in Schottland gewütet hat, beschloss die britische Regierung ganz Schottland einfach mit einer Riesigen Mauer abzuriegeln. Als es jedoch einen Ausbruch des Reaper Virus in London zu verzeichnen gibt, muss sich ein kleiner Trupp Soldaten und Wissenschaftler nach Schottland aufmachen um eine Heilung zu finden... dabei Stoßen sie in den Ruinen Glasgows auf Überlebende mit außergewöhnlichem Geschmack sowie auf viele weitere Absonderlichkeiten.

28 days later meets Mad Max meets Die Klapperschlange, so ungefähr lässt sich das Feeling von Doomsday beschreiben. Der Film ist rasant und von vorne bis hinten auf Action und "coole" Bilder getrimmt. Dabei wird aber stets ein Augenmerk auf eine "schöne" Post-Doomsday-Welt gelegt, so dass zur Action auch noch prächtige Bilder hinzukommen.

Fazit:
Doomsday fetzt! Dieser Film macht einfach verdammt viel Spaß. Dabei spielt es auch keine Rolle, dass die Handlung dünn und das Geschehen phasenweise ziemlich unlogisch ist, denn es handelt sich hier offensichtlich um eine Hommage an die klassischen Post-Doomsday-Filme - und die waren eben auch keine Ausgeburten der reinen Logik. Aber auch damals hats schon niemanden gestört.
Ausstattung, CGIs und Kameraarbeit ist nicht immer überragend aber stets ausreichend. Die Schauspieler sind ebenfalls mehr als akzeptabel, was bei der Hauptdarstellerin durchaus auch fürs Äußere gilt. Gore-Effekte gibt es auch, nicht viele aber diese sind dann umso heftiger.
Also, wer die oben genannten Referenzen mag, wird mit Doomsday einen Mordsspass haben, allerdings am besten mit einer ausländischen DVD, denn die deutsche ist mal wieder hoffnugslos geschnitten.

Little Britain II

Hatte ich mich doch erst kürzlich indirekt darüber ausgelassen, dass die Indizierung von Filmen nur bewirkt, dass man diese bei unseren europäischen Nachbarn bezieht, so gibt es dahingehend nun neue Entwicklungen:
Seit ca. einer Woche versendet amazon.co.uk keine Filme mehr nach Deutschland, die eine britische Freigabe ab 18 haben.

Anscheinend haben aufgrund des günstigen Pfund-Kurses die Bestellungen der "heißen Ware" in letzter Zeit stark zugenommen, so dass sich amazon.uk wohl gezwungen fühlte, zu reagieren...
Aber reagieren worauf überhaupt?
Bekanntermaßen gilt (grob gesagt) deutsches Recht nur in Deutschland, d.h. ein britisches Versandhaus braucht sich nicht darum zu scheren, ob bestimmte Filme in Deutschland beschlagnahmt oder indiziert oder sonstwas sind. Strafbar macht sich auch im Zweifelsfall nur derjenige, der die Filme (gewerbsmäßig) einführt.
Aber jetzt kommt der Clou an der Sache:
Amazon.co.uk versendet DVDs nach Deutschland meistens über die Logistik-Infrastruktur von amazon.de. Wenn ich also einen Film in GB kaufe, wird der Kauf über amazon.co.uk abgewickelt und es gilt britisches Recht, die Ware selbst jedoch kommt aus einem deutschen Lager. Und das ist im Zusammenhang mit indizierten und beschlagnahmten Filmen mehr als heikel, um genau zu sein ist es eine astreine Straftat, nämlich die schon oben erwähnte gewerbsmäßige Einfuhr.
Statt also die komplette Logistik umzustellen bzw. im Einzelfall den Film zu überprüfen hat man sich lieber komplett aus dem Geschäft mit ab18-Filmen in Deutschland verabschiedet.

Allerdings, und das ist das gute an der Sache: Bisher gilt das ganze nicht für den amazon.co.uk-marketplace.

Nachtrag #1:
Ein Anruf bei der Amazon.co.uk-Hotline hat auch keine weiteren Erkenntnisse gebracht, außer das in England Menschen bei Hotlines arbeiten, die ein schlechteres Englisch als ich Sprechen.

Nachtrag #2:
Terminator 1 ist in GB ab 15, so wie auch einige andere Filme, die hier auf dem Index stehen.

Donnerstag, 12. Februar 2009

Nazis und Nazi-Zombies

http://regentied.blogsport.de/2009/01/22/dad-sna/

Und die Moral von der Geschicht:

Nazi-Zombies haben mehr Gehirn als Neonazis. Nicht überraschend, aber unterhaltsam...

P.S.:
Nachdem Worst Case Scenario ja anscheinend auf Eis liegt freu ich mich tierisch auf diese Alternative aus Norwegen.

Donnerstag, 5. Februar 2009

Hatchet to the Head



...

Mittwoch, 4. Februar 2009

Diary of the Dead - movie bit



Nachdem mittlerweile klar ist, dass es auf absehbare Zeit keine deutsche DVD von Diary of the Dead geben wird, habe ich mir nun endlich die Fassung aus Großbritannien besorgt. Und da ist er nun, der neueste Romero...

Thematisch kann man ihn am ehesten als Neuinterpretation von NotlD mit einem deftigen Einschlag neuer Medien bezeichnen.
Eine Gruppe Filmstudenten gerät während der Dreharbeiten für einen eigenen Film mitten in eine ausbrechende Zombieepidemie hinein und beschließt zum einen, zur Familie eines der Mitglieder zu fahren und zum anderen die ganzen Ereignisse für die Nachwelt festzuhalten.

Der Film schwankt zwischen humoristischen Einlagen (ich sage nur Samuel, ganz großes Kino), langsameren Phasen in denen den Charakteren viel Zeit eingeräumt wird und natürlich auch ordentlichen Schmodderszenen. Insgesamt ist der Film nicht sehr temporeich, was aber auch an der gewählten Darstellungsart über Aufnahmen von Handycams, Überwachungskameras sowie der Kamera des "Protagonisten" liegt. In diesem Kontext geht Romero auch auf das Thema Medien, Web 2.0 usw. ein und deutet das gesamte Themengebiet eher negativ.

Fazit:
Diary of the Dead ist Romeros bisher schwächster Zombiefilm, und damit ist er immer noch um klassen besser als 90% aller anderen existierenden Filme des Genres. Das größt Problem des Films ist, dass ihn die ausführliche Charakterentwicklung sehr behäbig macht und somit kaum Spannung und Nervenkitzel aufkommt.
Trotz und wegen der unterschiedlichen genannten Punkte ist er immer noch sehr sehenswert, und für Fans des Genres sowieso ein Muss.

Dienstag, 3. Februar 2009

Paradise Lost - revisited



Paradise Lost (1994) ist eines der wenigen Abenteuer-Quellenbuch-Kombinationen die es für Shadowrun gibt (spontan fällt mir als weiteres nur noch Universal Brotherhood ein). Im Abenteuer (64 Seiten) geht es um ein nettes kleines Matrix-Spielzeug, dass einem Runner in die Hände fällt und das, nachdem auch verschiedene Kons in das Geschehen verwickelt wurden, von den Runnern wiederbeschafft werden soll.
Das Abenteuer lässt sich denke ich ganz gut auf die 2070er-Matrixbedingungen übertragen, z.b. indem Sprites ins Spiel kommen. Allerdings ist das Abenteuer ziemliche Durchschnittskost und lebt eher von den ungewöhnlichen Schauplätzen (und einem Hawaiispezifischen Akteur, zu dem ich aber hier nicht zu viel verraten möchte).

Und damit kämen wir auch schon zum zweiten, und mit ca. 15 Seiten wesentlich kürzeren Teil des Buches, dem Quellenmaterial über Hawaii. Im Stil anderer SR2-Quellenbüher gibt es einen allgemeinen Überblick über Hawaii (Geographie, Geschichte, Konzerne, Militär usw.), wobei Hawaii mittlerweile von einem König regiert wird - was natürlich mit ALOHA auch die entsprechenden Freiheitskämpfer/Terroristen auf den Plan ruft. Abschließend gibt es noch eine kurze Darstellung der größten Stadt der Inseln, nämlich von Honululu.

Fazit:
Paradise Lost bietet zu 80% ein durchschnittliches Abenteuer und 20% interessante Informationen zu Hawaii. Damit kann ich eigentlich guten Gewissens sagen, dass der Erwerb von Paradise Lost heute nicht mehr lohnt, wenn es auch schön geschrieben ist.
Die Informationen zu Hawaii, die auf rund einer Seite in Shadows of Asia präsentiert werden, reichen zum Überblick vollkommen aus. Nur wenn man wirklich länger in Hawaii spielen will, sollte man über die Anschaffung von Paradise Lost nachdenken.

Shopping Tipp:
Am besten Amazon.com. Allerdings, wenn es mal auf ebay verfügbar ist, geht es normalerweise recht günstig weg, wird aber eben recht selten angeboten.

Geschätzter Wert:
englisch: 10-20€

Little Britain

Momentan hats mir das Thema Zensur ein wenig angetan, daher gleich noch ein Beitrag zum Thema - diesmal Subthema Indizierung.

Das Bundesamt für geistige Hygiene und moralische Werte, kurz die BPjM, ist in Deutschland für die Indizierung von Filmen (und Spielen, Büchern, Zeitschriften usw.) zuständig. Ist man der Meinung, dass ein Film so unerträglich verstörend und grausam ist, dass eine bloße Freigabe ab 18 Jahren nicht ausreicht, wird der Film indiziert. Er darf dann nicht mehr beworben werden und man bekommt ihn in der Videothek nur noch in der Schmuddelabteilung.
Damit fallen diese Filme auch aus dem Raster von allseits beliebten Online-Plattformen wie amazon.de oder ebay - sie werden dort ebensowenig geführt wie bein den großen Elektromärkten (Media Markt, Pro Markt, Saturn usw.) - ums kurz zu machen, der Effekt einer Indizierung ist faktischen fast mit dem einer Beschlagnahme (vollständiges Verkaufsverbot) gleichzusetzen.

Dumm nur, dass die geistig, moralische Elite rund um unser aller Lieblingsgebärmaschine Ursula anscheinend etwas vergessen hat... Das Internet hat keine Grenzen. Ich kann also die entsprechenden Filme illegal aber problemlos runterladen, sie mir im rechtlichen Graubereich vollständig auf Youtube anschauen oder sie völlig legal bei z.b. amazon.co.uk bestellen.

Indizierungen sind daher nicht nur eine Form der Zensur, sie schaden darüber hinaus auch deutschen Einzelhändlern und Videotheken, weil ein Bezug über das Ausland wesentlich problemloser (und meist sogar kostengünstiger) ist als der Kauf in Deutschland - und sie sind völlig nutzlos.
Übrigens, man kann sich gar nicht so einfach über die aktuelle Liste informieren, denn die BPjM ist sich nicht zu schade dafür, die Liste der Indizierungen kostenpflichtig anzubieten (auch als pdf).

Es ist eben manchmal extrem störend, Gesetze an der Realität zu messen.

So, und zum Abschluss noch meine persönliche top-5-wtf-Liste der Indizierungen:

1. Terminator I
2. Mad Max I
3. Starship Troopers
4. Der blutige Pfad Gottes
5. Halloween II

Berliner Kettensägenmassaker

kürzlich bin ich auf einen der neueren Beschlagnahmebeschlüsse zu Dawn of the dead gestoßen:

"Beschluss zur Beschlagnahmung durch das AG Tiergarten vom 01.03.2000:

Videofarbfilm
Vertrieb: Astro, Kassel
Ausgabe: 1998
Regie: George A. Romero
Darsteller: David Emge, Ben Foree, Scott H. Reiniger, Gaylen Ross u.a.

Der Film ist inhaltsgleich mit dem aufgrund des AG Bochum 32 Ds 39 Js 275/91 bundesweit beschlagnahmten Film "Zombie" sowie mit dem aufgrund des AG Tiergarten vom 22. Januar 1999 bundesweit beschlagnahmten gleichnahmigen Film – 351 Gs 242/99.

Es wird auf die Beschlüsse des AG Bochum und des AG Tiergarten Bezug genommen. Der Film erhält durch folgende Szenen gewaltverherrlichenden Charakter:

9.min. Zu Anfang des Filmes werden durch angreifende militärische Einheiten Bewohner eines Hauses wahllos erschossen und getötet. Durch Zombies, welche sich im Keller befinden, werden die einzelnen Körperteile gegessen. Dabei ist sehen, wie die Zombies aus Körperteilen das Fleisch herausreißen und genüsslich verzehren.
24.- 74.min. Die nachfolgenden Szenen spielen sich in einem Supermarkt- Komplex ab. Hierbei sind immer wieder viele Zombies zu sehen, die teilweise Menschen angreifen und Fleischstücke aus dem Körper beißen. Im Gegenzug werden auch die Zombies durch die Menschen mesit durch Schüsse hingerichtet. Bei dem Töten ist zusehen, wie die Zombies and en einzelnen Körperteilen getroffen werden. Das jeweils spritzende Blut ist ebenfalls in Nahaufnahme zu sehen. Zum Schluss der Handlung wird eine menschliche Person von einem Zombie mehrfach verletzt. Diese wird dann selbst zum Zombie. Dieser jetzt entstandene Zombie wird zum Schluss getötet.
Der Film enthält keine durchgehende Handlung. Vielmehr steht im Vordergrund das wahllose gegenseitige Töten mit der Zielsetzung, diese Handlungen in Nahaufnahme zu zeigen. Der Film erhält durch die vorgenannten Szenen gewaltverherrlichenden Charakter, so dass seine Verbreitung gemäß § 131 StGB zu verbieten sein wird."

Mal abgesehen davon, dass es eine Frechheit ist, in einem Rechtsstaat einen derartigen Eingriff mit ein par Zeilen abzutun, drängt sich mir mal wieder (zum gefühlten 10.000sten mal) die Frage auf, warum ein leicht angestaubter Film von 1978 soviel strenger begutachtet wird, als etliche moderne Filme, die auch nicht gerade blut- dafür aber umso handlungsärmer sind.

Ob es wohl daran liegt, dass Dawn of the Dead immer noch als der Vorzeige-Pfui-B-Movie der Zensurwut der späten 70er und 80er Jahre gesehen wird? Oder liegt es daran, dass hinter Torture-Porn-Streifen wie Saw und Hostel große Studios und Verleihfirmen stecken, die der FSK den nötigen Druck machen (zur Erinnerung, ein Film der von der FSK geprüft wurde, wird idR nicht mehr indiziert geschweige denn beschlagnahmt)?

Nicht, dass man mich jetzt falsch versteht, wer aufs Foltern steht, der soll seinen Spaß mit besagten Filmen haben, nur warum darf ich mich dann nicht an meinen Zombiehorden erfreuen?

Donnerstag, 22. Januar 2009

Portfolio of a Dragon: Dunkelzahn's Secrets - revisited


Einen Tag nachdem der erste Schwarze Präsident der USA geworden ist, widme ich mich aus diesem historischen Anlass dem ersten Drachen als Präsident der UCAS.

2057 wird Dunkelzahn nach einem erbittert geführten Wahlkampf (nachzulesen/spielen in Shadows of the Underworld und Super Tuesday!) Präsident. Bereits in der Nacht seiner Amtseinführung wird er jedoch in Washington ermordet. So weit so schlecht, PoaD:DS beschäftigt sich nun mit dem Vermächtnis des Großen Drachen.
Hierbei gibt es als erstes sein Testament selbst, gefolgt von wilden Gerüchten um den Tod Dunkelzahns, alle möglichen Interessengruppen, Abenteuerideen sowie natürlich die Darco Foundation und Nadia Daviar. Gespickt ist das ganze mit Anspielungen zur den unsterblichen Elfen und anderen Überbleibseln der Earthdawn-Zeit.

Fazit:
PoaD:DS ist nach wie vor eigentlich ein Must-have. Der Drache hatte seine Klauen einfach in allem und sorgt durch sein Testament dafür, dass der die 6. Welt weiter beeinflussen kann. Dieses Buch ist spannend und nach wie vor hoch relevant, zumal ich davon ausgehe, dass mit der Abenteuerreihe die mit Dawn of the Artifacts beginnt, diese Relevanz noch weiter steigen wird.
Viele Dinge erschließen sich noch mehr im Zusammenhang mit der Drachenherz-Romantrilogie.

Shopping Tipp:
Die deutsche Übersetzung ist wesentlich später als das Original erschienen (2004 zu 1996) und erst seit kurzem ausverkauft; Sie sollte daher noch relativ problemlos zu bekommen sein. Die englische Version hingegen ist relativ selten, wenn auch nicht wirklich teuer.

Geschätzter Wert:
englisch: 15-20€
deutsch: 15-20€