Freitag, 11. Dezember 2009

Times they are a-changing... not!

Ich weiß ich weiß, es ist hier sehr ruhig geworden. Shame on me.Immerhin haben ich einen guten Grund vorzuweisen: Ich bin gerade mit dem Anfertigen meiner Magisterarbeit beschäftigt. Im Rahmen dieser Arbeit (Thema: Filmzensur in Deutschland und England) stoße ich jedoch auch immer wieder auf interessante Kleinodien die der Veröffentlichung lohnen. So auch das folgende:

In Deutschland gibt es die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, das sind die obersten Jugenschützer in Deutschland, sie legen fest was in Deutschland schlecht für die Jugend ist und was damit auch für Erwachsene nur schwer zugänglich ist. Eingerichtet wurde die Bundesprüfstelle bereits 1954 durch das Gesetz über jugendgefährdende Schriften (GjS). Die BPjM entstand also in der Ära Adenauer in einem Klima das geprägt war von Antikommunismus und Wirtschaftsswunder. Treffend formulierte 1953 auch der CDU-Innenminister Franz-Josef Würmeling den Hintergrund des GjS: "Mit Bürgern, die sich hemmungslos dem Genuß hingeben, und keine ethische Gedankenwelt mehr kennen, kann keine staatliche Ordnung ihre Aufgaben erfüllen." Die BPjM sollte also damals die Jugend insbesondere davor schützen, aus dem konservativ-christlichen Moralkorsett des Nachkriegsdeutschlands auszubrechen.
Franz-Josef Strauss, der an einem ersten Gesetzentwurf zum GjS beteiligt war, schlug übrigens den Titel "Bundesgesetz gegen Schmutz und Schund" vor. Dieser Titel führt uns bei der Spurensuche in der Geschichte der BPjM (die in der Selbstdarstellung der BPjM übrigens erst mit der Verabschiedung des GjS beginnt) zurück in die Zeit der Weimarer Republik. Dort wurde nämlich bereits 1926 eine "Prüfstelle für Schmutz- und Schundschriften" eingerichtet, die in Aufgaben und Zusammensetzung eine frappierende Ähnlichkeit mit der BPjM aufweist. Eingerichtet wurde sie durch das "Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften" und hier schließt sich auch der Kreis zum Namesvorschlag von FJS und der Gründung der BPjM.

Fazit:
Ich habe mich immer gewundert, warum es in Deutschland (und NUR in Deutschland) soetwas wie die BPjM gibt. Nun, ein Teil der Antwort scheint zu sein: Was 1926 gut und richtig erschien muss es 2009 auch noch sein. Zwar hat sich selbstverständlich die Arbeitsweise der Prüfstelle seit 1926 deutlich gewandelt und ihr Jugendschutzverständnis modernisiert, der Grundgedanke alles was ihrer Einschätzung nach "Schmutz und Schund" ist in einen Giftschrank zu packen und statt zum kritischen Medienverständnis zu erziehen lieber zu zensieren, der ist geblieben. Das all das schon lange durch Angebote wie Youtube oder Online-Versandhäuser aus dem Ausland schon lange ad absurdum geführt wird, spielt da auch schon keine Rolle mehr.

Mittwoch, 26. August 2009

Brainfried

Politikern wird ja immer vorgeworfen von Themen die Jungwähler angehen (Internet, Computerspiele...) keine Ahnung zu habe, oder schlimmer noch bewusst Unwahrheiten dazu zu verbreiten. Doch ist das wirklich so?
Nehmen wir doch mal eine Aussage von Bayerns Innenminister Herrmann (CSU) zu dem Thema:

"Wir haben ein klares Verbot gewaltverherrlichender Darstellung, der (Sic!) muss nur angewandt werden. Und im Moment wird das unterlaufen, weil erklärt wird, in dem Moment wo ein Spiel freigegeben ist von der Freiwilligen Selbstkontrolle, liegt keine Schuld des Produzenten mehr vor." Quelle (gegen Ende)

hierzu gibt es ein par Dinge anzumerken:
1. In Deutschland sind durch §131 StGB mittlerweile nicht nur gewaltverherrlichende Spiele und Filme verboten, sondern allgemein die Darstellung von Gewalt, sofern sie in einer bestimmten Form erfolgt.
2. Ich unterstelle Herrn Herrmann jetzt mal, dass er mit Freiwilliger Selbstkontrolle die USK und nicht die FSK meint, da ein Minister sicher über die Zuständigkeiten privater Einrichtungen, die mit hoheitlichen Aufgaben betraut sind, informiert ist.
3. Eine USK Entscheidung, einem Spiel eine Freigabe zu erteilen schützt aber tatsächlich vor weiteren Maßnahmen. Wie kommt das? Nun, dass ist ganz einfach: In der Novellierung des Jugendschutzgesetzes von 2008 (große Koalition, mit CDU/CSU) wurde extra geregelt, dass Spiele oder Filme welche eine FSK/USK Freigabe erhalten nicht mehr indiziert werden können. Da eine Indizierung aber ein schwächerer Eingriff ist als ein Verfahren nach §131 StGB liegt nahe, dass auch dieser idR nicht einschlägig seien kann.
4. Die FSK zumindest, und die USK aller Voraussicht nach auch, nehmen jedoch ihre Prüfpflichten sehr ernst. So werden die mit Abstand meisten Filme und Spiele von eben jenen Stellen zur Indizierung vorgelegt, nicht etwa von Jugendämtern o.ä. (es ist mir leider Verboten die Quelle hierzu öffentlich zugänglich zu machen). Gleiches ist für die Vorlage wegen §131 zu vermuten. Anders gesagt, ein Spiel erhält wirklich nur dann eine Freigabe, wenn keinerlei Jugendschutz oder strafrechtliche Bedenken bestehen.
5. Tja und was die Schuldfrage angeht: Wenn eine Behörde mir die Erlaubnis erteilt, etwas bestimmtes zu tun, muss ich dann stets davon ausgehen, dass ihre Erlaubnis rechtswidrig ist? Wohl kaum, und damit schützt die Vertreiber von USK-Freigegebenen Spielen der Verbotsirrtum. Immer dieser lästige Rechtsstaat... (ach, a propos Rechtsstaat)

Fazit: Zwei Sätze und so ziemlich alles ist falsch oder verkürzt, eine reife Leistung. Um zum Eingangsstatement zurückzukehren: Ob es sich hierbei nun um Ahnungslosigkeit oder Absicht oder eine Mischung aus beidem handelt, ist schwer zu sagen. Fest steht jedoch, dass man im Hinblick auf Zensur von "Killerspielen" so ziemlich alles erzählen kann - ist doch die tatsächliche Lage kaum zu überblicken.

In diesem Sinne

Dienstag, 28. Juli 2009

Ein Satz mit X

Sachen gibts, die gibts gar nicht:

1. Pegasus veröffentlicht für Cthulhu den auf 950 Stück limitierten Traumlande-Band (gebundener Preis 50€).
2. Innerhalb von ca. einer Woche ist der Band beim Verlag ausverkauft.
3. Nach und nach ist er auch bei gängigen Online-Rollenspielhändlern nicht mehr verfügbar, darunter auch Händler X, um den es hier gehen soll.
4. Auch bei Amazon ist der Band nicht mehr direkt verfügbar, es gibt es jedoch ein Marketplace-Angebot - für schlappe 100€. Und, oh Wunder, das Angebot ist von Händler X, bei dem das Buch im eigenen Shop ausverkauft ist.

Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen sprachlos. Gerade die Rollenspielszene zeichnet sich ja dadurch aus, dass die LGSs (zumindest verbal) stark unterstützt werden um sie am Leben zu erhalten - eine Position der ich mich zumindest grundsätzlich sofort anschließen würde, und dann gibt es so eine Aktion (Händler X verfügt auch über ein Ladenlokal). Der Rollenspieler als treudoofer Alleskäufer aus dem man mal eben noch 50€ mehr herauspressen kann, Buchpreisbindung hin oder her. Ich bin gerade irgendwie in einem Zustand gepflegter Nerd Rage.

Ich hoffe jedenfalls, dass dieses Beispiel nicht Schule macht...


zwei wichtige Hinweise zum Schluss:
1. Ich nenne hier bewusst keine Namen bzw. poste Links, da ich dem besagten Laden nicht schaden möchte (und, um ehrlich zu sein, auch wegen diversen rechtlichen Traras).
2. Es ist natürlich möglich, wenn auch unwahrscheinlich, dass es zwischen Händler X und dem Anbieter des Buches auf amazon außer einer zufälligen Namensähnlichkeit keinerlei Verbindungen gibt. In diesem Fall wäre alles oben gesagte natürlich hinfällig.

Montag, 27. Juli 2009

Interview mit den Fundus Ludi-Machern

Heute geben sich die Damen und Herren des Rollenspielportals Fundus Ludi die Ehre und wir sprechen über Ziele, Hintergründe und Perspektiven des Projekts.

Hallo, stellt euch doch erstmal vor…

Ibag: Tach, ich bin die Ibag, heiße im wahren Leben Heidi Lawo-Heyduga. Ich bin 29 Jahre alt, seit 7 Jahren verheiratet mit dem Gizmo und Mutter eines 3 1/2 jährigen Sohnes. Gelernt habe ich den schönen Beruf der Justizfachanstellten beim Amtsgericht in Dortmund und habe dann auch in der Staatsanwaltschaft gearbeitet. Nach der Geburt unseres Sohnes hat sich jobtechnisch bisher nichts festgesetzt, sodass ich nun arbeitssuchend bin.
Ich spiele nun seit knapp 10 Jahren RPG. Da war schon so einiges dabei, angefangen beim Klassiker DSA über Shadowrun, diverse WoD-Sachen, auch Vampire Live, Cthulhu und und und. Hin zu aktuellen Systemen, wie Schattenjäger, Savage Worlds etc.
Mein absoluter Favorit ist seit knapp 3 Jahren Arcane Codex, welches meine Lust an Fantasy-Settings und -Büchern, nach der DSA 4 Flaute, wieder entfacht hat. Und da ich Arcane Codex eben mag und mich gerne für das einsetze was ich mag, siehe Fundus Ludi, bin ich im Nackter Stahl Verlag mittlerweile seit 1 1/2 Jahren aktiv und das als Admin des Forums, Koordination des Supports, Lektorat und allem was so anfällt. Nun habe ich mich sogar durch gerungen ein Quellenbuch zu verfassen und die Spielerschaft von AC mit meinen Ideen für das schöne Land Khem auf Kreijor zu quälen.

Masterbrain: So, ich bin der Masterbrain und höre abseits des Netzes auch auf Felix Münter. 23 Jahre habe ich nun auf dem Buckel und gehe damit wohl als das jüngste Mitglied des Teams in die Statistik ein. Noch bin ich „nur“ Student für angewandte Sozialwissenschaften, aber das Studium geht diesen Sommer wohl seinem Ende entgegen.
Rollenspiel ist seit mehr als zehn Jahren – ich schätze mal vorsichtig auf 11 oder 12 Jahre – Bestandteil meiner Freizeit, mal mehr und mal weniger. In dieser Zeit hat sich eine ganze Menge an Spielerfahrung angesammelt, so viel, dass ich eigentlich keine umfassende Auflistung geben kann, ohne Gefahr zu laufen, irgendwas zu vergessen.
Angefangen hat es seinerzeit irgendwie typisch mit Fantasy und DSA – und entwickelte sich über die Jahre so, dass man mich mit dem Genre nicht mehr hinter dem Ofen hervor bekommen kann. Evergreens gibt es in diesem Sinne jedoch auch, wenn ich mich auf drei Stück festlegen müsste, dann wären dass wohl Call of Cthulhu, Deadlands: Classic und Traveller.
Ansonsten bin ich als Supporter und Übersetzer beim 13Mann-Verlag in Düsseldorf tätig.

Gizmo: Also, ich bin Programm und schimpfe mich Gizmo, meine Freunde nennen mich im wahren Markus und ich trage den französischen Nachnamen Lawo. Ich bin dieses Jahr 32 Jahre alt geworden und auch seit 7 Jahren verheiratet. Wie der Zufall es will habe ich auch einen 3 1/2 jährigen Sohn, meine Frau heißt Heidi. Ich spiele nun seit 17 Jahren RPG. Mehr Zufälle .... bei mir war auch schon einiges dabei. Den Anfang nahm meine Hobby mit DSA, was dann auch Heidi, durch mich, zum Rollenspiel brachte, auf einem CT des Orkenspalter.de bekam ich dann erste Berührungen mit anderen Systemen wie Shadowrun, der WoD, und später dann auch in eine Vampire Live Domäne (wo ich 3 Jahre SL war). Es folgen weiter Systeme, auch durch den Umstand, dass wir viel mit Masterbrain (Felix) ausprobiert haben z.B. Cthulhu, Deadlands, Heredium und und und. Zurzeit spiele ich in sieben Runden: Dungeons & Dragons 4.0, zwei Gruppen Arcane Codex, Cthulhu, Schattenjäger und zwei Savage Worlds Runden mit den Szenarien Shaintar und Rippers.

Cutter: Ich bin die Cutter und im normalen Leben heiße ich Katharina Prost. Ich bin 24 Jahre alt und bin Studentin an der Ruhr-Universität Bochum. Ansonsten verdinge ich mich neben meinem Studium gerade als Supporterin, Übersetzerin und Korrektorin beim 13Mann-Verlag in Düsseldorf und schreibe hin und wieder etwas für Ratten! für den Prometheus Verlag.
Rollenspiele spiele ich seit mittlerweile fast 10 Jahren. Ich habe im Gegensatz zu den meisten DSA noch nie bespielt sondern bin erst über viele Nischen-RPGs an die richtig Großen geraten. Allerdings konnte mich kein RPG auf Dauer halten und so kann ich zu mindestens für meine Lieblings-RPGs nur meine derzeitigen Favoriten festlegen. Als da sind: Traveller, Deadlands: Classic, Cthulhu und recht neu dabei Heredium.


Ich stelle Euch direkt am Anfang mal die Gretchenfrage: Was ist Fundus Ludi?

Cutter: Also wenn wir es mal ganz nüchtern betrachten ist Fundus Ludi ein Rollenspielarchiv mit angeschlossenem Forum.
In unserer Datenbank archivieren wir alle Rollenspieldokumente, die wir im Netz finden und wo uns erlaubt wird, sie bei uns reinzustellen. Unser Ziel ist es so viel Material wie möglich bei uns im Fundus Ludi zu vereinen und den Rollenspielern da draußen die Suche schlichtweg zu vereinfachen.
Doch bei uns kann auch gebastelt werden: Das Herzstück unserem Forums bildet wohl der Baustellenbereich, in dem fleißig an Settings, Abenteuern, Regelsystemen und noch viel mehr, gewerkelt wird und wo man mit sehr großer Wahrscheinlichkeit jemanden finden wird, mit dem man sich konstruktiv über die eigenen Ideen austauschen und neue Ideen bekommen kann, wenn man den Blick in das ein oder andere Projekt eines anderen Users wirft. Soviel zur nüchternen Variante.

Aber das erklärt leider nur zum Teil was Fundus Ludi genau ist. Denn Fundus Ludi besteht nicht nur aus Dokumenten sondern auch aus den Usern. Eine lebendige und nette Community, von Leuten, die sich gerne austauschen und einander mit den eigenen Hobbywerken helfen.
Ein Team, was auch gerne mal ein wenig mehr Freizeit für sein Projekt opfert um interessante Wettbewerbe aus den Boden zu stampfen oder andere Aktionen rund ums Fundus Ludi und versuchen als Bindeglied zwischen den Verlagen und der Community die Rollenspielgemeinschaft zu fördern und last but not least die Verlage, die uns unterstützen und uns viele Wettbewerbe erst ermöglichen


Wie seid ihr auf die Idee zu Fundus Ludi gekommen? Und wie ging es dann mit konkreten Planungen zur Umsetzung weiter?

Ibag: Die Idee einer eigenen Seite lag schon lange in den Köpfen von Masterbrain, Gizmo und mir. Wir waren damals gemeinsam aktiv als SL in einer Vampire Live Domäne und teilen auch sonst viele Interessen. Aber ein einfaches Forum sollte es eben nicht sein und alles andere erschien uns auf den ersten Blick wirklich sehr viel Arbeit.
So ließen wir die Idee erstmal eine ganze Weile unangetastet liegen, bis Masterbrain eines schönen Tages anklopfte und mir seine Ideen vorlegte. Naja, die Idee gab es ewig und das was er da vorstellte war eben genau das, was in unseren Köpfen so lange auf die Umsetzung wartete.
Damals haben Masterbrain, Deathwing, damals auch noch Phoenix, und ich uns daran gesetzt, das Konzept und die Idee zu verfeinern. Dabei kam viel zu Stande, wurde wieder verworfen oder auf später verschoben, und und und. Das ging alles ziemlich schnell, wir fanden die Software mit der wir es versuchen wollten und packten es an. Das sollte es also sein, eine Datenbank in der man viel Fanmaterial und auch offizielles eben an genau einem Platz findet, nicht lange suchen muss und sich sogar noch austauschen kann über Ideen um diese dann später auch an die User weiter zu geben.
Innerhalb weniger Tage stampften wir also Forum und Datenbank aus dem Boden und machten vorab schon mal fleißig Werbung in diversen Foren. Nicht überall wurde die Idee gut aufgenommen und es gab einige, sehr laute, Kritiker die meinten, dass es das alles schon gäbe und eh niemand sowas bräuchte. Nun, die Praxis straft die Theorie in diesem Fall lügen. Das Projekt wurde vom ersten Tag gut angenommen und den Leuten macht es Spaß sich hier auszutauschen, sich in der Datenbank zu bedienen und auch ihr eigenes Material zu erarbeiten.
Noch ist die aktive Community im Vergleich mit den anderen großen Foren natürlich relativ klein. Das macht es im Moment gemütlich und überschaubar, führt aber auch zu einem angenehmen Umgang miteinander. Die Zahl der Userschaft, die uns aber aufgrund von Downloads immer mal wieder besuchen ist allerdings groß und zeigt uns, dass es ein Projekt wie Fundus Ludi so im deutschsprachigen Raum bis dato nicht gibt und es auch gebraucht wird. Die über 2000 Downloads in über 100 Kategorien sprechen Bände und auch die Zahlen der Betrachtungen und Downloads sind beachtlich.

In den letzten 1 1/2 Jahren, knapp 2 sogar schon, die wir mit Fundus Ludi aktiv sind, haben wir viel Unterstützung erfahren, insbesondere durch Verlage die uns mit Preisen versorgen, Sponsoren und Partnerseiten, die uns mit Werbung unterstützen. Es macht Spaß all diese Leute kennen zu lernen, sich auszutauschen und sich gegenseitig zu helfen.

Aber ich schweife ab. So war das damals, was daraus geworden ist kann man selber sehen. Ich gebe den Staffelstab mal weiter an Gizmo.

Mittlerweile hat die Datenbank ja über 2000 Einträge, woher stammt all das Material und wie sammelt ihr es? Wie trefft ihr die Auswahl, was online gestellt wird?

Gizmo: Das Material setzt sich zusammen aus Anfragen an die verschiedensten Seiten und Material, das uns von Usern oder anderen Privatpersonen zu Verfügung gestellt wird. Also ist im Grunde nichts in der Datenbank, das nicht die Berechtigung hat da zu sein. Es läuft in der Regel so ab, das wir eine Seite finden, sie uns empfohlen wird oder ein User lädt sein Material hoch. Grund für dieses Sammeln und Bündeln von Material liegt dem Projekt zu Grunde, weil wir es uns ja zur Aufgabe gemacht haben, ich zitiere mal:

Fundus Ludi bündelt möglichst viele Ressourcen des Hobbys an einem Ort und versucht damit dem Suchenden (sprich: dem Rollenspieler) Arbeit abzunehmen. Weiterhin versucht Fundus Ludi einen möglichst kreativen Nährboden für alle Rollenspieler zu schaffen, die ihre eigenen Ideen umsetzen wollen. Hierzu zählt Feedback, konstruktive Kritik, Lektorat und Layout. Als letztes bietet Fundus Ludi jedem Mitglied die Möglichkeit, sein eigenes, individuelles Projekt der Öffentlichkeit zu präsentieren und stellt die hierfür notwendigen Ressourcen und Infrastruktur zur Verfügung.

In erster Linie ist da kein Auswahlverfahren hinter, es geht uns um das Hobby und da zählt jede Idee aus der sich ein Szenario, ein Plot oder ein Abenteuer bauen lässt. Hinzu kommen unzählige Spielhilfen, Charakterbögen usw. Die einzige Auswahl die wir machen, bzw. Sache die wir beachten müssen, ist die Nachfrage, das OK und ob es sich dann um einen Direkt-Upload von unserer Seite handelt oder einem Redirect von der Seite von der das Material kommt.

Wie macht ihr das bei alten Rollenspielen die schon lange keinen Verlag mehr haben?

Es kommt immer mal vor, dass man auf Internet-Leichen trifft, also Seiten von Systemen, die nicht mehr laufen, nicht mehr aufgelegt werden, in den Tiefen der Regale verschwunden scheinen, oder aber in den Kellern von Verlagen verschwunden sind.

Auch diese werden von uns gerne in die Datenbank aufgenommen, hier benötigt es allerdings auch die Mithilfe der User oder Personen die diese Schätzchen gerne wieder in die Öffentlichkeit zerren wollen. Wir nehmen uns diesen gerne an, weil ja auch Systeme die nicht so Präsent sind hier im Fundus zu finden sind.

Aber zurück zu der eigentlichen Frage, auch diese werden wenn man uns die Quellen nennt oder wir auf diese stoßen nach einer Kontakt-Adresse durchsucht und die Macher der Seite oder die Verlage selbst angeschrieben, um da mal anzufragen, wie es mit einer Veröffentlichung in unserer Datenbank aussieht. Wenn wir dann ein Okay erhalten, nehmen diese dann auch Einzug in die Datenbank.

Wie sind die Reaktionen von den Verlagen und den Spielern?

Masterbrain: Ich sage es mal so: Besser als wir es in den kühnsten Träumen erwartet haben.

Als wir vor knapp zwei Jahren angefangen sind, waren wir übervorsichtig und unerfahren. Wir haben uns hier und da vorgetastet, wussten eigentlich nicht so recht was uns erwarten würde. Recht schnell zeigte sich dabei für uns, wie klein die Welt der Rollenspielverlage doch ist und das irgendwie jeder jeden zu kennen scheint. Noch dazu macht es alles einen wirklich herzlichen und familiären Eindruck.
Insofern war es ein leichtes für uns, die anfängliche Scheu abzulegen und den Kontakt mit den Verlagen auszubauen – und abgesehen von einigen, kleineren Ausreißern, können wir uns wirklich nicht beklagen! Die Verlage scheinen angetan von der Idee und sind bereit, uns zu unterstützen, was uns natürlich sehr freut und sagt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Was die Spieler angeht: Nun, ein Projekt im Netz braucht immer seine Zeit, bis es sich etabliert hat. Anfänglich bekommt man viele skeptische Blicke und Unkenrufe ab, die meisten Leute haben eben Vorbehalte – ob berechtigt oder unberechtigt sei einfach mal dahingestellt. Wir haben uns davon nicht entmutigen lassen und alles daran gesetzt, zu beweisen, dass wir bereit sind das Projekt mit dem notwendigen Elan zu betreiben – und es hat sich gelohnt.
Ich würde einfach mal behaupten, dass die kritische Phase – sofern man davon überhaupt sprechen kann – nach dem ersten Jahr überstanden war, in dem wir bewiesen haben, dass Fundus Ludi keine Eintagsfliege ist und stetig wächst.
Spätestens seit diesem Zeitpunkt sind alle Rückmeldungen, die wir bekommen eigentlich positiv.

Wie stellt ihr euch die Zukunft von Fundus Ludi vor?

Ibag: Die Zukunft? Hm, das ist immer schwierig. Wir haben viele Ziele für das Projekt, einige sind bestimmt utopisch und wieder andere stehen kurz vor der Umsetzung. Alles langsam und Schritt für Schritt, wie bisher auch. Irgendwann wird es dann auch was mit den Ideen die wir aktuell noch für utopisch halten... das dachte ich bei meiner Schnapsidee mit den Neuerscheinungswochen auch und die Verlage mögen es wirklich sehr.
Also was wir definitiv wollen, ist die Datenbankinhalte vermehren und dafür sorgen, dass mehr User eigenes Zeug einstellen, sich trauen und sich gegenseitig unterstützen. Also, das ist natürlich alles schon da, sollte aber noch mehr werden.

Masterbrain: So viel ist da gar nicht im Detail planbar, habe ich mittlerweile den Eindruck. Natürlich wollen wir größer werden und eine Instanz für die Szene - aber wie genau das passiert, das ist eben wenig planbar und kommt eben durch die Synergiewirkung der Ideen des Teams einerseits und dem Feedback der User andererseits zustande.

Gizmo: Um es mit den Worten von Bill & Ted (Bill & Ted's verrückte Reise durch die Zeit) zu sagen: Uns ist das Dasein und Granaten stark und Volle Kanne Hoschi. Wir werden uns Mühe geben, dass es bleibt wie es ist und, dass wir wachsen, wachsen ....hi, hi... wachsen ....mmmuuhaarrr...wachsen...

Cutter: Ich hätte ehrlich nicht gedacht, dass wir in so kurzer Zeit so weit kommen. Es war einfach fantastisch. Das ist zwar nicht ganz planbar, aber weiter wachsen und vielleicht in Zukunft die eine oder andere Neuerung mit einführen, steht auf alle Fälle auf unserer Liste und natürlich weiter machen wie bisher, noch mehr User dazu bringen mit an Ideen, Abenteuern und alles Mögliche zu arbeiten und ihre Ideen bei uns in die Datenbank zu stellen.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für die Zukunft!

Samstag, 11. Juli 2009

Gegen Zensur?

Kürzlich ist eine ePetition gegen das Verbot von gewalthaltigen Computerspielen online gegangen.
Nach dem großen Erfolg der Petition gegen Internetzensur mit über 130.000 Mitzeichnern war ich spontan natürlich mehr als geneigt auch diesem bestreben gegen staatliche Zensur meine Unterstützung zukommen zu lassen.
Nachdem ich jedoch den Petitionstext gelesen habe, bin ich von diesem Vorhaben wieder abgerückt. Statt mitzuzeichnen betrachte ich die Petition nun als mahnendes Beispiel dafür, wie tief Zensur schon in unserem politischen Denken verankert ist. Warum das?

Nun, ich würde sagen, dass ich dem Petitionstext zu 95% zustimme, ein kleines Detail jedoch kann und werde ich nicht durch meine Unterschrift unterstützen:

""Gewaltverherrlichende" Medien hingegen sind aus gutem Grund verboten."

Tja, aus gutem Grund also? welchem denn? Sorgen §131er-Spiele etwa für ein erhöhtes Amoklaufpotential? Wo genau ist denn dann eigentlich noch ein Unterschied zu den Forderungen der Innenministerkonferenz, von der Wortwahl mal abgesehen? Hierbei verweise ich nochmals auf meinen Artikel zur Würde der Gotcha-Zombies.
Wobei hierbei zusätzlich sehr entlarvend ist, dass der Initiator der Petition sich (zurecht!) gegen den diskriminierenden Begriff der "Killerspiele" wendet, gleichzeitig aber den so schwammigen wie diskriminierenden Begriff der "Gewaltverherrlichung" unreflektiert verwendet.

Alles was über die Einstufung von Medien für bestimmte Altersstufen und den Schutz von Persönlichkeitsrechten hinausgeht ist für mich nicht zu rechtfertigende Zensur. Anderen Demokratien wäre eine Straftat wie ein §131 StGB völlig wesensfremd und trotzdem kommt es in unseren Nachbarländern auch nicht wöchentlich zu Amokläufen.

Schade, im Grunde ist das Anliegen der Petition als Zombiefilmfan auch mein ureigenstens, allerdings kann ich aus den genannten Gründen die Petition nicht mitzeichnen. Schade schade schade...

Donnerstag, 2. Juli 2009

Origins Awards 2009

Am vergangenen Wochenende wurden die diesjährigen Origins Awards vergeben. Näheres zu den Nominierten und Gewinnern siehe hier.

Mich persönlich freut natürlich besonders, dass Battletech die neuen Warhammer 40k Regeln ausgestochen hat ;)

Sonntag, 21. Juni 2009

Quis custodiet ipsos custodies?

Das sich nach der Verabschiedung des Internetzensur-Gesetzes die üblichen Schreihälse und böswillig Ahnungslosen zu Wort melden, ist natürlich keine Überraschung. Von Kinderpornographie ist es ja nur noch ein klitzekleiner Schritt hin zu gewalthaltigen Computerspielen - Zensur ist also in beiden Fällen mehr als geboten!

Und damit nicht irgendwelche CDU-Hinterbänkler die Katastrophe von Winnenden alleine für ihre politische Karriere instrumentalisieren, dachte sich auch die Komission für Jugendmedienschutz, die in letzter Zeit ja stark im Schatten von BPjM und Zensursula stand, dass man hier doch wunderbar auf den Zug der ahnungslosen aber rechtschaffen empörten Gutmenschen (TM) aufspringen könnte.

Das ganze sieht dann im Ergebnis so aus:
Ausländische Webshops, die in Deutschland indizierte Filme und Spiele anbieten, sollen wegen dieser Tatsache selbst indiziert werden. Das ist eine tolle Sache, nur leider gibt es da ein par klitzekleine Probleme:
1. Österreichische Händler sind nicht an deutsches Recht gebunden (unglaublich aber wahr!)
2. Das JuschG regelt relativ genau, in welchem Umfang es bei Importen aus dem Ausland greift, nämlich im Normalfall erst per Zollkontrolle beim tatsächlich stattfindenden Import durch den Käufer, und definitiv nicht beim Anbieten der Waren im Ausland.
3. Wie absurd das Ganze ist, lässt sich auch daran feststellen, welche Seiten nach dieser Logik im Ausland noch indiziert werden müssten: amazon.co.uk, amazon.fr, amazon.com, ebay.com, diverse weitere Händler aus der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, Großbritannien und und und...
4. Wobei es der cleveren KjM ja reicht, wenn auf einer entsprechenden Seite Screenshots zu finden sind, oder Trailer zu Spielen/Filmen verlinkt(!!) sind.
5. Auch deutsche Seiten wie ofdb.de u.ä. dürften nach dieser Logik sehr schnell zum Abschuss freigegeben werden.

Nun ja, das Gute ist, dass man bei staatlichen Stellen wie der BPjM, KjM oder unserer Zensursula davon ausgehen kann, dass Sachverstand und Kenntnis basaler Rechtsgrundsätze (territoriale Geltung z.b.) nicht bekannt sind, und daher solche Forderungen in einem Taumel von PR-Enthusiasmus und guter deutscher Zensurtradition ausgesprochen werden, ohne zu wissen wie sinnlos sie sind.

Ob dieses Tatsache die Situation nun besser oder schlechter macht, hängt davon ab, ob man von Seiten des Staates Kompetenz erwartet...